Wer in Kiew ankommt und eine Trümmerlandschaft erwartet, wird sich die Augen reiben. Die ukrainische Hauptstadt macht den Eindruck einer ganz normalen osteuropäischen Großstadt. Viel Verkehr, geschäftige Menschen, Filialen sämtlicher westlicher Luxus-Marken und Menschen, die um die Mittagszeit ihre Büros verlassen, um in einem der zahlreichen Straßencafés und Restaurants einen Kaffee trinken oder eine Kleinigkeit essen. Und Kräne. Überall Kräne! „Wenn ein Gebäude durch einen Drohnen- oder Raketenangriff getroffen wird, dann ist die Stadtverwaltung bemüht, es schnell wieder aufzubauen“, erklärt der ukrainische Fahrer, „denn der Wohnraum wird benötigt.“ Von der gegenüberliegenden Straßenseite schallt Gesang herüber. Die Sänger der Kiewer Oper proben. Dass es trotzdem nicht ganz so friedlich zugeht wie es den Anschein hat, zeigt ein Blick auf die App „Air Alert“, die in Kiew jeder benutzt. Die russische „Mittags-MIG“ steuert offenbar auf die nördlich von Kiew gelegene Region Tschernihiv zu. Dort ist Luftalarm ausgelöst worden.
Markus Peters