Bei der Abfahrt des Nachtzugs nach Warschau am Bahnsteig in Kiew wird aus den Lausprechern traurige Musik gespielt, Menschen umarmen sich. manche weinen. Eine Zeit der Trennung beginnt. Ehefrauen und Kinder, die vor dem Krieg nach Polen oder nach Deutschland geflohen sind und zu Besuch in der Heimat waren, verabschieden sich von ihren Ehemännern, für die nach wie vor in der Ukraine Ausreiseverbot gilt, auch wenn sie nicht in der Armee dienen.
Die An- und Abreise in die Ukraine ist nach wie vor beschwerlich. Da der Luftraum über dem Land nach wie vor gesperrt ist, ist eine Anreise derzeit nur über mit dem Zug möglich. Ab Warschau verkehren täglich mehrere Züge, auch Nachtzüge. Die Fahrt von Warschau nach Kiew dauert allerdings etwa 15 Stunden. Neben der aufwändigen Abfertigung an der Grenze spielt zudem eine Rolle, dass die Züge Wagen für Wagen umgespurt werden müssen, von der europäischen Normalspurbreite (1435mm) auf russische Breitspur (1520 mm). Dazu werden die Waggon einzeln in eine Halle gefahren, angehoben, dann wird der Radsatz ausgetauscht. Allein diese Prozedur nimmt insgesamt vier Stunden in Anspruch.
Trotzdem ist die Anreise mit dem Fernbus kaum schneller. Ein bekannter Anbieter benötigt etwa 30 Stunden und zwei Umstiege für diese Strecke. Auch die Anreise mit dem Auto ist kaum schneller zu bewältigen, da die Grenzkontrollen streng und langwierig sind.