Polen will groß in die Atomenergie einsteigen. Das erste Atomkraftwerk des Landes soll nordwestlich von Danzig an der Ostsee etwa 300 Kilometer von der Grenze zu Deutschland entstehen. Spätestens 2026 soll mit dem Bau des ersten Reaktorblocks begonnen werden, der 2033 ans Netz gehen soll, heißt es in dem Strategiepapier "Polens Energiepolitik bis 2040", das nach Ausbruch des Ukraine-Kriegs aktualisiert wurde. Alle zwei Jahre nach 2033 soll ein weiteres AKW seinen Dienst aufnehmen. Bis 2043 sollen es sechs AKW werden.
Die Atomkraftwerke sollen Polen beim Ausstieg aus der Kohle helfen - gegenwärtig gewinnt das Land fast 80 Prozent seiner Energie aus Stein- und Braunkohle. Nicht nur die hohen Emissionswerte sind ein Problem. Nach Prognosen des staatlichen Geologischen Instituts reichen die für den Abbau geeigneten Steinkohlevorhaben noch für 50 Jahre - bei der Braunkohle könnte schon in 20 Jahren Schluss sein.
Mit dem Ukraine-Krieg und der Energiekrise hat sich die Stimmung in der polnischen Gesellschaft gedreht. Noch im Juni 2021 waren 45 Prozent der Polen gegen Atomkraft, 39 Prozent dafür. In einer aktuellen Umfrage liegt der Anteil der Befürworter bei 75 Prozent.
Die vier Bundesländer Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und Berlin haben Polen aufgefordert, das Vorhaben zu stoppen. "Vor dem Hintergrund der verheerenden Atomunfälle in Tschernobyl und Fukushima sollte auf Pläne zur weiteren Nutzung der Kernenergie im Interesse der Bevölkerung und Umwelt aller Ostseeanrainer verzichtet werden", heißt es in einer veröffentlichten Erklärung.