Letztes Update:
20220504144507

Ukrainische Behörden: Mehr als 1200 Leichen rund um Kiew gefunden

13:29
04.05.2022
In der Umgebung der ukrainischen Hauptstadt Kiew werden auch mehr als einen Monat nach dem Abzug der russischen Truppen beinahe täglich weitere Leichen von Zivilisten gefunden. Bis Mittwoch seien insgesamt 1235 ermordete Zivilisten entdeckt worden, teilte der Chef der Gebietsverwaltung, Olexander Pawljuk, am Mittwoch im Nachrichtendienst Telegram mit. Davon seien 282 immer noch nicht identifiziert. Erst am Dienstag seien 20 neue Todesopfer mit Folterspuren in Leichenhallen gebracht worden.

Henrik Schumacher

Kreml dementiert Generalmobilmachung

12:50
04.05.2022
Mit Blick auf den Krieg gegen die Ukraine hat der Kreml Spekulationen über eine bevorstehende Generalmobilmachung in Russland zurückgewiesen. „Das ist nicht wahr. Das ist Unsinn“, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow am Mittwoch der Agentur Interfax zufolge. Auf die Frage, ob Präsident Wladimir Putin zum „Tag des Sieges“ über Hitler-Deutschland am 9. Mai der Ukraine den Krieg erklären könnte, sagte Peskow ebenfalls: „Nein. Das ist Unsinn.“ Seit Russlands Angriff auf die Ukraine Ende Februar bezeichnet der Kreml die Kämpfe im Nachbarland stets nur als „militärische Spezial-Operation“.

Mehrere Medien hatten Mutmaßungen aufgegriffen, Putin könnte am Montag die allgemeine Mobilmachung von Soldaten und Reservisten ausrufen, um die stockende Offensive in der Ukraine voranzutreiben. Russland feiert am 9. Mai traditionell mit einer großen Militärparade auf dem Roten Platz in Moskau das Ende des Zweiten Weltkriegs. Putin wird dabei eine Rede halten, die in diesem Jahr mit besonderer Spannung erwartet wird.

Viele Experten gingen ursprünglich davon aus, dass der Kremlchef dann Erfolge in der Ukraine feiern will. Putin nennt die angebliche „Entnazifizierung“ des Nachbarlands als eines der wichtigsten Ziele des Einsatzes. Nun aber gehen manche Beobachter eher von einer Intensivierung der Kampfhandlungen aus. Andere halten es für wahrscheinlicher, dass Putin erklären könnte, die ostukrainischen Gebiete Luhansk und Donezk Russland einzuverleiben.

Michael Rabba

EU-Kommission will Oberhaupt der russisch-orthodoxen Kirche auf Sanktionsliste nehmen

11:17
04.05.2022
Die EU-Kommission schlägt in ihrem sechsten Sanktionspaket laut Medienberichten neben zahlreichen anderen Maßnahmen ein Einreiseverbot für Kyrill I. und das Einfrieren seines Vermögens vor. Eine offizielle Bestätigung liegt nicht vor. Das Paket wurde am Mittwoch in den EU-Mitgliedsländern geprüft und muss anschließend abgestimmt werden. Die litauische Regierung hatte sich für Sanktionen gegen den russisch-orthodoxen Patriarchen stark gemacht, weil er den Krieg gegen die Ukraine unterstütze. Außenminister Gabrielius Landsbergis sagte Ende April, das Kirchenoberhaupt sei eher damit beschäftigt, "Seelen zu töten, als sie zu retten".

Kyrills Sprecher betonte, der Patriarch bete für Frieden. "Je wahlloser die Sanktionen werden, je mehr sie den Bezug zum gesunden Menschenverstand verlieren, desto weiter entfernt sich der Frieden", so Legoida.

Mit Äußerungen zu Russlands Angriffskrieg auf Linie des Kreml-Chefs Wladimir Putin sorgt Kyrill I. besonders in der Ukraine seit Wochen für Entsetzen. Den Militäreinsatz rechtfertigte er als "metaphysischen Kampf" des Guten gegen das Böse aus dem Westen. Der Patriarch propagiert seit Jahren eine "russische Welt", zu der auch die Ukraine gehöre. Am Dienstag sagte er bei einem Gottesdienst in einer Kathedrale im Moskauer Kreml, Russland habe nie jemanden angegriffen, "es hat nur seine Grenzen verteidigt".

Henrik Schumacher