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Kapitel

Donnerstag, 15. September

Verdacht auf russische Spionage im tschechischen Außenministerium

20:40
15.09.2022
Ein Mitarbeiter des tschechischen Außenministeriums soll jahrelang geheime Dokumente an Russland weitergegeben haben. Das berichtete die Zeitung „Denik N“ am Donnerstagabend in ihrer Onlineausgabe unter Berufung auf Regierungschef Petr Fiala. Der tschechische Inlandsgeheimdienst BIS habe den Mann über einen langen Zeitraum beobachtet. Der russische Auslandsgeheimdienst SWR habe seine „Schwäche für Frauen und Geld“ ausgenutzt. Er sei inzwischen nicht mehr im Ministerium in Prag beschäftigt. Der Staatsbedienstete habe Zugang zu Dokumenten des höchsten Geheimhaltungsgrads gehabt, berichtete „Denik N“ mit Verweis auf Diplomatenkreise.

Die Beziehungen zwischen dem Nato- und EU-Mitgliedstaat Tschechien und Russland sind seit langem äußerst angespannt. Tschechien hat die Ukraine nach eigenen Angaben gegen den russischen Aggressor seit Februar mit Waffenlieferungen im Wert von umgerechnet mehr als 160 Millionen Euro unterstützt. Bereits im April 2021 beschuldigte die Regierung in Prag russische Geheimdienstoffiziere, für Explosionen in einem Munitionslager im Osten Tschechiens im Jahr 2014 verantwortlich zu sein. Der Kreml bestritt dies vehement. Beide Seiten wiesen gegenseitig Diplomaten aus.

dpa

Papst zu Waffenlieferungen an Ukraine: Nur zur Selbstverteidigung

20:20
15.09.2022
Papst Franziskus hält Waffenlieferungen an die Ukraine für moralisch vertretbar, wenn diese nur der Selbstverteidigung dienen. Das sagte das Oberhaupt der katholischen Kirche am Donnerstag auf dem Rückflug von seiner Kasachstan-Reise nach Rom. Auf eine entsprechende Frage antwortete der Pontifex, dass es aber unmoralisch sei, Waffen zu liefern „mit der Absicht, noch mehr Krieg zu provozieren, mehr Waffen zu verkaufen oder alte Waffen loszuwerden“. Sich selbst zu verteidigen, sei „nicht nur berechtigt, sondern ein Beweis der Liebe zur Heimat“, sagte Franziskus. „Wer etwas verteidigt, der liebt es auch.“

Der Pontifex hatte als Teilnehmer eines zweitägigen Religionstreffens in der kasachischen Hauptstadt Nur-Sultan die Welt zu größerem Einsatz für den Frieden aufgefordert. „Alle reden vom Frieden“, erinnerte er bei seiner traditionellen Pressekonferenz im Flugzeug. „Seit 70 Jahren reden die Vereinten Nationen vom Frieden und machen viele Dinge. Aber wie viele Kriege toben heute wieder?“ Wie zuletzt bereits öfter unterstrich der Papst: „Wir sind in einem Weltkrieg.“

Dennoch meinte der 85 Jahre alte Argentinier, dass man auch mit einem Aggressor wie Russland den Dialog suchen müssen. Das sei schwer, müsse aber getan werden. „Man muss allen die Möglichkeit zum Gespräch geben, allen“, sagte Franziskus. Er wolle keinen Dialog mit irgendeiner Partei ausschließen, „auch nicht mit dem Aggressor“. Man müsse immer den Dialog suchen, „auch wenn es einem stinkt“. Das Drängen des Papstes nach einem Gespräch mit Moskau oder dem russisch-orthodoxen Patriarchen Kirill hatte in den vergangenen Monaten für Unverständnis in der Ukraine gesorgt.

dpa