Letztes Update:
20220620201227

Niederlande rufen Gaskrise aus: Mehr Energie aus Kohlekraftwerken

20:03
20.06.2022
Angesichts des Gaslieferstopps aus Russland kurbeln die Niederlande die Produktion der Kohlekraftwerke erneut an. Das Land befinde sich in der ersten Phase einer Gaskrise, warnte Energieminister Rob Jetten am Montag in Den Haag. Es gebe zwar noch keinerlei Engpässe. Doch durch Russlands Entscheidung, die Gaslieferungen in europäische Länder zu stoppen oder stark zu reduzieren, könne sich die Lage schnell verschlechtern. Der Minister rief Bürger und Betriebe dringend auf, so viel Energie wie möglich zu sparen.

Angesichts der Klimakrise war die Produktion der Kohlekraftwerke auf 35 Prozent reduziert worden. Ab sofort sollen die Kraftwerke bis 2024 erneut auf voller Kraft laufen. Das Gas, das dadurch gespart würde, soll für den Winter gelagert werden. Die Regierung werde alles tun, um die Energieversorgung von Bürgern und Betrieben zu sichern. „Das Risiko von Nichtstun ist zu groß“, sagte Jetten.

Erwartet wird, dass der CO2-Ausstoß durch Kohle steigen wird. Der Energieminister kündigte neue Maßnahmen an, um den Ausstoß der Klima-Schadstoffe in anderen Sektoren zu reduzieren.

Die Niederlande wollen vorerst nicht die Produktion aus den eigenen Gasfeldern in Groningen im Nordosten wieder ankurbeln. Wegen zahlreicher Erdbeben war die Produktion stark reduziert worden und soll ab 2023 stoppen. Erst „als allerletztes Mittel“ werde daran gedacht, erneut mehr Groninger Gas zu fördern, sagte der Minister. Eine solche Krise könnte bei großen Engpässen im eigenen Land entstehen, aber auch wenn etwa die Versorgung in Deutschland problematisch werde.

Russland hatte bereits im Mai die Lieferung von Gas an die Niederlande gestoppt. Das führte jedoch bisher nicht zu Engpässen. Das Land deckte etwa 15 Prozent seines Gasbedarfs aus Russland.

Auch in Deutschland soll den Einsatz von Gas für Stromerzeugung und Industrie gesenkt werden, und es sollen mehr Kohlekraftwerke zum Einsatz kommen.

Michael Rabba

Wiener Konferenz zu den humanitären Auswirkungen von Atomwaffen

16:49
20.06.2022
Österreichs Außenminister Alexander Schallenberg hat vor den wachsenden und unkalkulierbaren Gefahren eines Einsatzes von Atomwaffen gewarnt. „Die nuklearen Risiken sind im Vergleich zu den vergangenen Jahrzehnten nun höher“, sagte Schallenberg am Montag zum Auftakt einer internationalen Konferenz über die humanitären Folgen des Einsatzes von Atomwaffen in Wien. Er kritisierte Russland scharf. Moskau habe im Ukraine-Krieg in unverantwortlicher Weise mit dem Einsatz taktischer Atomwaffen gedroht. Aus Sicht der Vereinten Nationen habe die nukleare Abrüstung höchste Priorität, sagte die Leiterin des UN-Büros für Abrüstungsfragen Izumi Nakamitsu. „Diese Waffen haben das Potenzial, alles Leben auf der Erde auszulöschen.“

Bei der Konferenz wollten Experten schildern, wie sich ein Einsatz von Atomwaffen unter anderem auf das Klima und die Lebensmittelversorgung auswirken würde. Jahrzehntelang galten solche Waffen unter dem Vorzeichen des sogenannten Gleichgewichts des Schreckens als ein entscheidendes Hindernis für einen Dritten Weltkrieg. Die geschätzte Zerstörungskraft selbst kleiner Atombomben übertrifft die der größten konventionellen Bombe um das Hundertfache.

Die Experten-Konferenz ist der Auftakt zu einem Treffen von rund 80 Staaten, die ab Dienstag in Wien zusammenkommen. Diese Länder haben den 2021 in Kraft getretenen Atomwaffenverbotsvertrag (TPNW) unterzeichnet, der Nuklearbomben grundsätzlich ächtet. Die Nato lehnt den TPNW ab.

dpa