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Ukrainische Drohgebärden gegen russische Brücke auf die Krim

20:14
16.06.2022
In ihrem Abwehrkampf gegen Russland sieht die Ukraine auch die wichtige russische Brücke auf die Halbinsel Krim als militärisches Ziel. Als eine Art Drohgebärde veröffentlichte der ukrainische Militärgeheimdienst am Donnerstag eine angebliche offizielle russische Baubeschreibung der Brücke mit Details der Konstruktion. Die Echtheit des knapp 300 Seiten langen Dokuments war nicht sofort zu überprüfen.

Tags zuvor hatte der ukrainische General Dmytro Martschenko gesagt, wenn die Ukraine die dafür notwendigen Waffen erhalte, sei die Zerstörung der Brücke „Ziel Nr. 1“. Schließlich rolle der russische Nachschub über die Brücke auf die Krim und von dort weiter in den Süden der Ukraine. Die mit Milliardenaufwand gebaute, 18 Kilometer Brücke über die Meerenge von Kertsch verbindet seit 2018 das russische Festland und die vier Jahre zuvor annektierte Halbinsel.

In Moskau betonte Kremlsprecher Peskow am Donnerstag, dass alle Vorkehrungen für die Sicherheit der Krim getroffen seien. Der Kreml kenne die neuen Drohungen aus Kiew gegen die Brücke. Aus Moskau hatte es schon vorher Drohungen gegeben, im Fall eines Angriffs auf das Bauwerk die ukrainische Hauptstadt Kiew zu bombardieren.

Außenminister Sergej Lawrow sagte, Martschenkos Drohung widerspreche den Zusagen von Präsident Wolodymyr Selenskyj gegenüber westlichen Partnern. Dieser habe zugesichert, Waffen mit hoher Reichweite nicht zu Angriffen auf russisches Territorium einzusetzen. Allerdings betrachtet die Ukraine die Krim weiter als ihr Staatsgebiet.

Auch der ukrainische Verteidigungsminister Olexij Resnikow verband in einem Interview die erhoffte Rückeroberung von Gebieten mit den Waffenlieferungen aus dem Ausland. „Wir werden alle unsere Gebiete befreien, wirklich alle, auch die Krim“, sagte er in Brüssel dem US-Sender CNN. Zunächst müsse aber der laufende russische Angriff gestoppt werden. Dann gehe es darum, russische Truppen aus den seit 24. Februar eroberten Gebieten zu vertreiben. Als drittes werde man mit den Partnern besprechen, wie weitere Territorien, darunter die Krim, zurückerobert werden könnten.

Andere ukrainische Militärs hatten zuletzt eine Zerstörung der Brücke für unmöglich erklärt, weil die eigenen Truppen zu weit vom Asowschen Meer entfernt seien.

Michael Rabba

Gazprom-Chef Miller: Keine Lösung für Nord Stream 1 in Sicht

19:53
16.06.2022
Mit Blick auf die reduzierten Gas-Lieferungen durch die Ostsee-Pipeline Nord Stream 1 ist nach Aussagen von Gazprom-Chef Alexej Miller keine Lösung in Sicht. „Die Turbine liegt in der Fabrik, Siemens kann sie nicht abholen, und nicht alle anderen Turbinen passen“, sagte Miller am Donnerstag beim Internationalen Wirtschaftsforum in St. Petersburg. Der Chef des russischen Staatskonzerns betonte aber, dass die infolge von Russlands Krieg gegen die Ukraine stillgelegte Pipeline Nord Stream 2 theoretisch einsatzbereit sei.

Gazprom hatte die tägliche Höchstmenge von Gaslieferungen nach Deutschland zuletzt um rund 60 Prozent gedrosselt und den Schritt mit Verzögerungen bei Reparaturarbeiten durch den Energietechnikkonzern Siemens Energy begründet. Moskau stellt die Probleme auch als Folge westlicher Sanktionen gegen Russland dar. Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck hingegen vermutet eine politische Entscheidung.

Miller bezeichnete die zuletzt stark gestiegenen Gas- und Öl-Preise unterdessen als eine Chance für Russland. „Das Weltfinanzsystem hat die Kontrolle über die Warenströme verloren und ist selbst zum Generator eines mächtigen Inflationsimpulses geworden“, sagte er. „Der Schwerpunkt in den Waren-Geld-Beziehungen hat sich auf die Seite der Waren verlagert“, meinte er. „Und unsere Waren - unsere Regeln.“ Dann fügte er hinzu: „Die Kontur der neuen Wirtschaftsstruktur wird von der Russischen Föderation bestimmt werden.“

Denise Frommeyer