Erst sollte vor allem in Impfzentren geimpft werden - jetzt sollen die niedergelassenen Ärzte ein wichtiger Part sein. Das sorgt nicht nur für Freude. Die Stadt München reagiert verschnupft.
München (dpa/lby) - Angesichts der geänderten Impfstrategie mit breiter Einbeziehung von Ärzten werden die Kapazitäten der bayerischen Impfzentren offensichtlich nicht so ausgebaut wie geplant. Die Stadt München teilte am Mittwoch mit, sie müsse nun den Aufbau weiterer Impfzentren stoppen. "Es ist für uns als Gesundheitsamt ausgesprochen schwierig, Planungen umzusetzen, wenn sich die Impfstrategie von Bund und Land in dieser für uns alle lebenswichtigen Frage so schnell und unberechenbar ändert", sagte Münchens Gesundheitsreferentin Beatrix Zurek.
Nach der Ankündigung des Gesundheitsministeriums, dass München ab April täglich rund 13 000 Impfdosen erhalte, sei mit großer Kraftanstrengung begonnen worden, die Impfkapazität in der Messe auf täglich 6000 Impfungen auszubauen. Zugleich seien Voraussetzungen für weitere Impfzentren mit 7000 Impfungen täglich geschaffen worden. "Das alles gemäß der Aussagen des Freistaats, dass die Impfzentren ein maßgeblicher Bestandteil der bayerischen Impfstrategie sind. Heute dann der für uns alle sehr überraschende Sinneswandel, dass die Kapazitäten in den Impfzentren nicht ausgebaut und stattdessen die Impfungen wesentlich durch Hausärzte erfolgen sollen", sagte Zurek.
Zuerst hatte der "Münchner Merkur" (Donnerstag) unter Berufung auf ein Schreiben des Bayerischen Landkreistags berichtet, dass angesichts der geplanten breiten Einbeziehung von Ärzten in die Corona-Impfungen die Kapazitäten der Impfzentren möglicherweise nicht wie geplant ausgeweitet werden. Der Ausbau solle aller Voraussicht nach nicht mehr weiterverfolgt werden, heißt es demnach. Es werde empfohlen, keine weiteren Ausweitungen zu planen.
Bislang war geplant, die Impfmöglichkeiten in den Zentren von maximal 49 000 pro Tag bis April auf 110 000 zu erhöhen. Inzwischen haben Bund und Länder aber beschlossen, dass Ärzte auf breiter Front ins Impfsystem einbezogen werden - wobei die Menge an Impfstoff weiterhin begrenzt sein wird. Über den Start in den Praxen sollen Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Regierungschefs der Länder entscheiden, "zeitnah" noch vor den nächsten Bund-Länder-Beratungen am 22. März.
Die Gesundheitsminister sollen dafür eine Empfehlung vorlegen. Die Beratungen der Gesundheitsministerkonferenz (GMK) über eine Einbindung der Hausärzte in die Corona-Impfstrategie dauerten am Mittwochabend an.
Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) sagte dem "Münchner Merkur": "Die durch den Bund klar geforderte Erhöhung der Impfkapazitäten in den Impfzentren haben wir in Bayern mit den Verantwortlichen vor Ort flexibel geplant und werden davon in Bereichen mit einer nicht so hohen Praxisdichte sicherlich weiter profitieren." Die Zentren seien derzeit "Rückgrat der Impfstrategie". Gleichwohl sei es richtig, so schnell wie möglich die Arztpraxen in das System zu holen.