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20201126110050

Virologin Brinkmann: Hätte mir klarere Entscheidungen gewünscht

10:14
26.11.2020
Aus Sicht der Virologin Melanie Brinkmann gehen die am Mittwoch beschlossenen Corona-Regeln nicht weit genug. «Ich hätte mir tatsächlich gewünscht, dass noch etwas klarere Entscheidungen getroffen werden», sagte die Leiterin der Arbeitsgruppe Virale Immunmodulation am Helmholtz-Institut für Infektionsforschung am späten Mittwochabend im Deutschlandfunk.

Sie hätte sich gerade für die älteren Schüler einen Übergang zum Hybridunterricht und klarere Beschlüsse bei der Maskenpflicht gewünscht, sagte Brinkmann. «Ich befürchte jetzt, dass wir uns immer um diese 50er-Inzidenz herum bewegen und dann wieder drübergehen und vielleicht dann wieder drunter, und das ist eigentlich kein guter Kompromiss, weil wir immer wieder jeden Tag neue Todesfälle haben werden.» Mit 50er-Inzidenz sind 50 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner binnen sieben Tagen gemeint.

Auch die Lockerung der Kontaktbeschränkungen an den Weihnachtstagen finde sie als Virologin nicht nachvollziehbar. «Ich glaube nicht, dass wir die Zahlen bis dahin soweit runtergedrückt haben, dass wir da entspannt sein können, und ich halte es für keine gute Idee zu lockern.» Es sei zwar wichtig, dass Menschen an Weihnachten nicht alleine blieben. Man solle aber nur eine begrenzte Zahl von Menschen treffen und aufpassen, dass man keine älteren Menschen anstecke.

Am Mittwoch hatten die Ministerpräsidenten und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) beschlossen, die Kontaktbeschränkungen zu verlängern und zu verschärfen. Ab dem 23. Dezember und höchstens bis zum 1. Januar soll es aber Lockerungen geben. In dieser Zeit können zehn Personen im Familien- und Freundeskreis zusammenkommen, Kinder bis 14 Jahre nicht mitgezählt.

(dpa)

Palmer: Von Anfang an falsche Strategie in Corona-Krise

10:10
26.11.2020
Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne) ist mit den Bund-Länder-Beschlüssen zur Ausweitung der Kontaktbeschränkungen in der Corona-Krise hart ins Gericht gegangen. «Ich finde, wir haben bei der Bekämpfung der Pandemie von Anfang an die falsche Strategie gewählt. Wir nutzen die mittelalterliche Methode, Menschen zu meiden wie die Pest», sagte Palmer der «Fuldaer Zeitung» (Donnerstag). Das werde immer weiter verschärft. «Dass wir so viel wirtschaftlichen Schaden und Freiheitsverlust hinnehmen müssen, finde ich sehr ärgerlich», sagte der Oberbürgermeister, der in seiner Stadt mit rund 90 000 Einwohnern einen eigenen Weg fährt - unter anderem mit besonderen Schutzmaßnahmen für Senioren.

Palmer vermisst nach eigenen Worten eine nachvollziehbare, evidenzbasierte Planung der Regierung. «Ich finde das Fahren auf Sicht unbefriedigend. Eigentlich sollte man einen Plan haben, bis der Impfstoff greift oder das Frühjahr kommt.» Die Weihnachtspause könnte man für zwei Wochen echten Lockdown nutzen, sagte Palmer - «also wirklich nur die Verwandten zu treffen». «Damit wären die Zahlen wahrscheinlich im Januar weit genug gedrückt, dass man sich bis mindestens in den Februar hinein wieder einigermaßen normal verhalten könnte - und dann sollte der Impfstoff seine Wirkung entfalten.»

(dpa/lsw)

Corona-Beschlüsse "neuer Tiefschlag" für den Handel

10:04
26.11.2020
Der Bundesverband mittelständische Wirtschaft hat die Beschlüsse von Bund und Ländern in der Corona-Krise als «neuen Tiefschlag» für den stationären Einzelhandel bezeichnet. Chefvolkswirt Hans-Jürgen Völz sprach am Donnerstag von einem starken Konjunkturimpuls für große Online-Versandhändler: «Das klassische Weihnachtsgeschäft der Monate November und Dezember hat sich damit für viele Geschäfte schon erledigt.»

Bund und Länder hatten strengere Auflagen für größere Geschäfte beschlossen. Dabei geht es um die Anzahl von Kunden, die gleichzeitig einkaufen dürfen. Mit Blick auch auf die bis kurz vor Weihnachten verlängerten Schließungen etwa der Gastronomie sagte Völz: «Alle Hoffnungen, die Konjunktur werde sich nach dem Absturz zur Jahresmitte schnell erholen, sind damit endgültig vom Tisch.»

(dpa)

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