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Handelsverbands-Chef wirft Regierung Angstmacherei vor

06:39
09.09.2020
Der Direktor des Handelsverbands clc, Nicolas Henckes, hat am Mittwoch die Regierung erneut für ihre Kommunikationspolitik während der Corona-Pandemie gerügt. "Die Politik hat den Leuten viel Angst gemacht, damit sie zuhause bleiben. Da ist zu viel auf Angst statt auf Information gesetzt worden", sagte Henckes bei RTL Radio Lëtzebuerg.

Die Entscheidung für einen allgemeinen Lockdown im Frühjahr sei "anhand der Informationen, die die Regierung damals hatte" allerdings richtig gewesen. Dass es keinen zweiten generellen Lockdown geben soll, wie die Gesundheitsministerin Paulette Lenert kürzlich betonte, begrüßte Henckes.

Allgemein sei die Situation im Handel aufgrund sinkender Umsätze durchwachsen. Besonders Geschäfte in Esch/Alzette hätten, wie auch schon vor der Krise, einen schlechten Stand, aber auch entlang der Grenzen sei die Situation in den vergangenen Monaten aufgrund von Grenzkontrollen und Reisewarnungen schwierig gewesen. Besonders krass wären Reisebüros und die Eventbranche betroffen. "Die Krise trifft jene voll ins Herz, die auch zuvor schon nicht gut aufgestellt waren", sagte Henckes. Der Branchenvertreter forderte weitere staatliche Hilfen, die öffentliche Hand könnte den Händlern etwa mehr Unterstützung bei den Fixkosten zukommen lassen.

Einige Geschäfte hätten seit dem Lockdown nicht mehr geöffnet. Genaue Zahlen nannte Henckes nicht. Es werde wohl in den nächsten Monaten zu weiteren Schließungen kommen, fürchtet der clc-Direktor. Internationale Ketten wie Zara oder Pull & Bear werden wohl Filialen in Luxemburg aufgeben, weil sie im Internet höhere Umsätze erwarten.

Im Schnitt hätten Händler in Luxemburg im Jahresvergleich einen Umsatzrückgang von 30 Prozent zu verkraften. In den Städten habe die Besucherfrequenz spürbar abgenommen, auch weil viele Beschäftigte weiterhin im Homeoffice arbeiten. Ein Beispiel war die Braderie in der Hauptstadt vergangene Woche: Das Verkaufsevent sei für viele der teilnehmenden Geschäfte enttäuschend verlaufen, so Henckes.

Jörg Tschürtz