In Indien grassiert die Corona-Seuche und die Mutante B.1.617 ist auf dem Vormarsch. Das Land verzeichnet seit Tagen immer wieder Höchstwerte an Corona-Neuinfektionen. Binnen 24 Stunden wurden nach Angaben des Gesundheitsministeriums vom Sonntag 349 691 neue Fälle verzeichnet. Dies ist zugleich ein weltweiter Tageshöchstwert. 2767 Menschen starben an oder mit Covid-19. Dies ist die bisher höchste Todeszahl in Indien. Den vierten Tag in Folge wurden mehr als 300 000 Neuinfektionen und über 2000 Tote registriert. Die Dunkelziffer dürfte sogar deutlich höher liegen.
Indien hat gut 1,3 Milliarden Einwohner, so dass sich eine vergleichsweise mäßige Sieben-Tage-Inzidenz von rund 132 Fällen pro 100 000 Einwohner ergibt. Das Gesundheitssystem des Schwellenlandes ist aber völlig überlastet. Es fehlt an Betten, antiviralen Medikamenten und medizinischem Sauerstoff. Krankenhäuser wie das Pentamed Hospital in Neu Delhi senden immer wieder SOS-Nachrichten zum Sauerstoffmangel. Premierminister Narendra Modi sagte in einer Rundfunkansprache, die Regierung tue alles, um die Einzelstaaten im Kampf gegen Covid-19 zu unterstützen.
Sogar Pakistan bietet seinem Erzrivalen die Lieferung medizinischer Güter an. Als eine „Geste der Solidarität“ mit der indischen Bevölkerung wolle man Beatmungsgeräte, digitale Röntgengeräte, Schutzkleidung und andere Ausrüstung bereitstellen, teilte das pakistanische Außenministerium am späten Samstagabend mit.
Einige europäische Länder wie Deutschland und Italien haben das südasiatische Land ab diesen Montag deshalb zum Virusvariantengebiet erklärt. Dann gilt ein weitgehendes Einreiseverbot für Menschen, die sich zuvor in Indien aufgehalten haben. Bundeskanzlerin Angela Merkel bot Indien am Sonntag Hilfe an. Der EU-Kommissar für Krisenmanagement, Janez Lenarčič, erklärte, Brüssel habe auf indischen Wunsch bereits den Zivilschutzmechanismus aktiviert und werde bei der Versorgung mit Sauerstoff und Medikamenten helfen.