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Bordelle werben für Wiedereröffnung

13:48
16.07.2020
Deutschlandweit haben Bordelle mit einem Tag der offenen Tür auf ihre schwierige Lage wegen der Corona-Krise aufmerksam gemacht. Die Einrichtungen für erotische Dienstleistungen könnten nach Überzeugung der Organisatoren unter Einhaltung strenger Hygieneregeln wieder öffnen. Im Südwesten beteiligten sich mehrere Häuser in Karlsruhe sowie in Bruchsal und Rastatt.

Laura, Mitbetreiberin von «Lauras Girls» in Karlsruhe sagte am Donnerstag, sie müsse spätestens im September wieder öffnen, um wirtschaftlich überleben zu können. Ihren vollständigen Namen nennt die Unternehmerin nicht. Ihr Haus sei seit dem 14. März geschlossen. Durch die Schließung der konzessionierten Einrichtungen werde die Prostitution wieder in den illegalen Bereich gedrängt. «Die Kontrolle geht verloren.»

Die Unternehmerin forderte die Politik zu Gesprächen über die Situation in der Branche auf. Bisher habe man keine Reaktion aus der Politik gesehen. «Wir werden nicht gehört.» Sie schlug vor, den Betrieb langsam und reduziert wieder anlaufen zu lassen, möglicherweise zunächst nur mit erotischen Massagen. Dann könne man sehen, ob es Auswirkungen auf das Infektionsgeschehen habe.

Bei «Lauras Girls» arbeiten selbstständige Unternehmerinnen, die für eines der acht Zimmer nur zahlen, wenn sie es nutzen. Die Frauen können in dem Haus auch übernachten. Sie kommen nach Lauras Angaben aus Deutschland und dem Ausland und bleiben von einem Tag bis zu zwei Wochen.

Es gibt keine verlässlichen Zahlen darüber, wie viele Menschen in der Sex-Branche arbeiten. Im Rahmen des Prostituiertenschutzgesetzes hatten sich bis Ende 2018 rund 32 800 Menschen offiziell angemeldet. Dort meldeten sich nach Angaben von Johanna Weber vom Berufsverband erotische und sexuelle Dienstleistungen allerdings nur diejenigen an, die es müssen, weil sie in Bordellen, Laufhäusern, Domina-Studios, Sauna-Clubs oder ähnlichen Einrichtungen arbeiten.

(dpa)

Europa sieht sich für zweite Corona-Welle gerüstet

12:39
16.07.2020
Europa ist nach Einschätzung von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) auf eine mögliche zweite Corona-Welle vorbereitet. «Eine zweite Welle, die ausdrücklich nicht ausgeschlossen ist, wird nicht plötzlich kommen», sagte Spahn am Rande einer teils über Video organisierten Tagung der EU-Gesundheitsminister am Donnerstag in Berlin. «Sondern wenn, würden wir sie kommen sehen, dann nämlich, wenn wir testen und wachsam und aufmerksam sind», sagte Spahn. «Das sind wir in allen 27 Mitgliedstaaten.»

Die Pandemie sei - «Stand heute» - in Europa zwar weitestgehend unter Kontrolle. «Wir sehen aber auch, wie schnell es wieder zu Ausbrüchen kommen kann (...), wenn wir an bestimmten Stellen unvorsichtig sind», sagte Spahn. Am Wochenende hatte hemmungsloses Feiern auf Mallorca für Empörung gesorgt. Spahn sagte, die EU-Länder wappneten sich mit umfangreichem Testen, Schutzausrüstung, Schutzmasken und Expertise.

In der Corona-Krise wollen die EU-Staaten auch grundsätzlich enger bei der Seuchenbekämpfung zusammenrücken. So soll das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) zu einer wirkungsvolleren Instanz in der Seuchenbekämpfung werden. Dieses EU-Zentrum entspricht dem Robert Koch-Institut in Deutschland. Noch während der laufenden deutschen EU-Ratspräsidentschaft solle eine Erweiterung des rechtlichen Mandats des ECDC angegangen werden.

Europa soll auch unabhängiger von der Produktion wichtiger Arzneimittel und Medizinprodukte etwa in China werden. Spahn sagte, es gehe unter anderem um Medikamente für die Intensivmedizin. EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides kündigte dafür einen Schwerpunkt einer europäischen Arzneimittelstrategie an. Instrumente könnten laut Spahn etwa Investitionszuschüsse oder Abnahmegarantien für Hersteller sein.

Zur Erreichung dieser Ziele machte sich Spahn für mehr EU-Haushaltsmittel und -Personal in den entsprechenden Bereichen stark. Es gelte, europäische Gemeinschaftsgüter zu schaffen.

Nach Angaben von EU-Kommissarin Kyriakides sind elf Staaten dabei, eine Corona-Warn-App ähnlich wie in Deutschland einzuführen. Allerdings gebe es dabei teils unterschiedliche Ansätze, räumte Spahn ein. So habe Frankreich eine zentral, Deutschland eine dezentral funktionierende App. Angesichts grenzüberschreitender Reisen sei nun die Herausforderung, die Apps interagieren zu lassen.

(dpa)

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