Mein Homeoffice befindet sich an einer strategisch wichtigen Stelle: Denn wer in die Küche möchte, der muss an mir vorbei. Und kommt auf dem Rückweg erneut an meinen aufmerksamen Augen vorüber. Dabei fällt mir auf: Kein Wunder, dass ich mich ständig unter Druck gesetzt fühle, den Kühlschrank zu füllen. Die Fluktuation im Bereich meiner Arbeitsstätte ist in den letzten Tagen enorm gestiegen. Ständig macht sich ein Mitglied unserer Familie auf den Weg, um außerhalb der geregelten Mahlzeiten seinen Appetit zu stillen. Kommt bei uns zum Frühstück, zum Mittag- oder Abendessen nicht genug auf den Tisch? Das ist fast unmöglich, denn die Einkaufswagen, die ich nicht erst seit Beginn der Pandemie durch den Supermarkt bugsiere - und dabei stets besonders kritisch beäugt werde, weil sich hinter meiner menschlichen Fassade vielleicht ein Hamster verbergen könnte - sind schließlich schon sehr voll. Ein Problem der gestiegenen Corona-Einkäufe ist sicher seit Monaten, dass fast alle ständig zuhause sind - die wenigen Schultage der beiden Jüngsten mal ausgenommen: In der Schule und im Büro kann gar nicht so viel gegessen werden wie innerhalb der heimischen vier Wände. Weil aber der Kühlschrank rund um die Uhr verfügbar ist - und die Pausen frei eingeteilt werden - wird der gefüllte Leckereien-Schrank ständig inspiziert. Mal ein Jogurt, dann Tomaten oder Paprika, ab und an ein Eis - und die Vorräte sind schon nach zwei Tagen wieder leer. Ich habe deshalb begonnen, bei den Besuchen mal genauer nachzuhaken: „Hattest Du nicht heute schon ein Eis?“ oder „Geh doch erst mal raus in den Garten“ oder „Gut, dass Du da bist, der Geschirrspüler ist gerade fertig und müsste ausgeräumt werden!“ Ja, ich bin vielleicht ein Spielverderber. Aber die rege Betriebsamkeit vor dem Kühlschrank ist seit meiner Kühlschrank-Konversation wieder stark fallend. Einziges Problem: Den Geschirrspüler werde ich deshalb später wieder selbst ausräumen müssen.
Eva Baumgartner