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Lauterbach: Corona-Kurs nicht ursächlich für mehr Psyche-Störungen

21:16
10.01.2022
 Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach hat Vorwürfe zurückgewiesen, dass die deutsche Corona-Politik mit ihren international eher etwas strengeren Maßnahmen für die Zunahme psychischer Störungen verantwortlich ist. „Da muss man vorsichtig sein, dass geben die Studien aus meiner Sicht nicht her“, sagte der SPD-Politiker am Montagabend in der ARD-Sendung „Hart aber fair“. Es gebe mehr psychische Störungen auch in Staaten, die weniger gemacht haben als Deutschland. Als Beispiel nannte er die USA, wo seiner Ansicht nach sehr viele Tote vermeidbar gewesen wären. Die Störungen seien mutmaßlich eher auf die Corona-Lage insgesamt als auf die Schutzmaßnahmen zurückzuführen.

Den Verzicht der britischen Regierung auf strenge Maßnahmen trotz explodierter Infektionszahlen nannte er eine „unethische Wette“. Deutschland sei mit seinem Kurs, die Menschen zu schützen, auch ökonomisch nicht schlechter gefahren als etwa Großbritannien. Der britische Kurs komme auch schon deshalb nicht in Frage, weil die Impfquote in Deutschland insbesondere bei den Älteren viel schlechter sei als die in Großbritannien. „Ich würde eine solche Strategie wie in England, die auf Durchseuchung hinausläuft, ohne dass man es so nennen will, eine solche Strategie würde ich uns niemals empfehlen. Und dafür steht auch die Bundesregierung nicht zur Verfügung.“

Mit Blick auf Klagen von Ärzten über eine unzureichende Versorgung mit Impfstoff sagte Lauterbach: „Das ist also Aufgabe der Länder, diese Zuteilung vorzunehmen. Und ich würde mir da auch also eine etwas andere Zuteilung von Land zu Land vorstellen.“ Insgesamt gebe es mehr Impfstoff als nötig, um die gesamte zu Auffrischimpfungen bereite Bevölkerung abdecken zu können - allerdings nicht den vor allem nachgefragten der Hersteller Biontech und Pfizer, sondern vor allem den von Moderna. Moderna-Dosen seien in großer Menge gekauft worden, Biontech hingegen habe „aus Produktionsgründen“ nicht ausreichend besorgt werden können.

Michael Rabba

Demonstrationen gegen die Corona-Politik in zahlreichen Städten

20:10
10.01.2022
In der Innenstadt von Bremen haben am Montagabend erneut zahlreiche Menschen bei einem unangemeldeten "Spaziergang" gegen die Corona-Maßnahmen demonstriert. 
Es gab zudem eine Gegendemonstration. Die Polizei verhinderte ein Aufeinandertreffen. Nähere Angaben zu den Teilnehmerzahlen machten die Beamten am Abend nicht.  
In Bremerhaven demonstrierten nach Polizeiangaben etwa 60 Menschen an verschiedenen Orten und unangemeldet. Die Polizei ahndete mehrere Verstöße gegen die Maskenpflicht.
In Delmenhorst versammelten sich laut Polizei rund 540 Personen auf den Graftwiesen. Hier ahndete die Polizei zwölf Verstöße gegen die Maskenpflicht. Zudem wurden vier Strafverfahren eingeleitet - unter anderem gegen einen Teilnehmer, der eine Einsatzkraft verletzte und einen Demonstranten wegen einer volksverhetzende Äußerung, so die Polizei.
In Verden zählte die Polizei etwa 400 Teilnehmer einer Demonstration im Zentrum. Hier wurde ein Verstoß gegen die Maskenpflicht geahndet. 
Bei unangemeldeten Demonstrationen in Schwanewede, Lilienthal und Grasberg waren nach Polizeiangaben rund 120 Teilnehmer unterwegs. In Worpswede demonstrierten rund 260 Menschen. In Ritterhude gab es eine angemeldete Demonstration mit rund 40 Teilnehmern sowie eine unangemeldete mit rund 60 Personen - sowie eine Gegendemonstration, an der sich mehr als 100 Menschen beteiligten, so die Polizei. 
In Braunschweig versammelten sich nach einer ersten Schätzung der Polizei rund 500 Menschen auf dem Domplatz. Auch hier kam es gegen Verstöße gegen die Maskenpflicht.
In Hannover gab es am Montagabend zehn nicht angemeldete Demonstrationen gegen die Corona-Politik, wie ein Polizeisprecher sagte. In Nordenham zählte die Polizei rund 60 Teilnehmer und in Brake etwa 30 Menschen.
In Lübeck zogen am Montagabend mehr als tausend Teilnehmer durch die Stadt, 
Aus mehreren weiteren Städten berichtete die Polizei von unangemeldeten Versammlungen, die den Beamten zufolge größtenteils friedlich abliefen. Es gab aber auch angezeigte Treffen, wie etwa in Hildesheim, wo sich laut Polizei rund 200 Menschen auf dem Andreasplatz trafen.

Der Niedersächsische Landkreistag (NLT) forderte am Montag angesichts der hohen Infektionszahlen ein Ende dieser Demonstrationen. „Wir brauchen jetzt alle verfügbaren Kapazitäten der öffentlichen Verwaltung zum Schutz von Menschenleben“, sagte NTL-Hauptgeschäftsführer Hubert Meyer. 

Michael Rabba