Letztes Update:
20210629110454

Britischer Corona-Experte bedrängt: Video sorgt für Empörung

10:04
29.06.2021
In Großbritannien sorgt ein Video für Empörung, das zeigt, wie Corona-Regierungsberater Chris Whitty von Betrunkenen belästigt wird. In der knapp 20-sekündigen Aufnahme ist zu sehen, wie zwei Männer versuchen, den Epidemiologen zu einem Selfie zu zwingen, ihn festhalten und herumschreien. Whitty ist sichtlich gestresst und versucht, sich loszureißen - was ihm schließlich auch gelingt. Die Szene wurde in der Nähe des Regierungssitzes Downing Street in London aufgenommen.

Auf den sozialen Netzwerken verbreitete sich das Video schnell. Premierminister Boris Johnson zeigte sich auf Twitter schockiert über eine solch „verabscheuungswürdige Belästigung“. Die beiden Männer bezeichnete er als „Verbrecher“. „Unsere hart arbeitenden Staatsdiener sollten dieser Art von Einschüchterung auf unseren Straßen nicht ausgesetzt sein und wir werden das nicht tolerieren“, so der konservative Politiker. Scotland Yard teilte mit, alle Beteiligten seien vernommen worden. Nun werde ermittelt.

Whitty spielt in Großbritannien in der öffentlichen Wahrnehmung eine ähnliche Rolle wie Christian Drosten in Deutschland. Er wurde während der Pandemie immer wieder zum Ziel von Anfeindungen. Während eines Protests vor einigen Tagen skandierten Hunderte Demonstranten Parolen wie „Verräter, Verräter“ und „Schäm dich“.

Maas verteidigt Lockerung der Corona-Reisewarnungen

09:45
29.06.2021
Bundesaußenminister Heiko Maas hat die für Donnerstag geplante Aufhebung der pauschalen Reisewarnung für alle Corona-Risikogebiete verteidigt. „Die Zeit der Pauschalbeurteilungen muss vorbei sein“, sagte der SPD-Politiker am Dienstag am Rande des G20-Außenministertreffens im italienischen Matera. „Dort, wo es positive Entwicklungen gibt, gibt es auch keinen Grund, Restriktionen aufrechtzuerhalten.“

Die Bundesregierung hatte bereits vor knapp drei Wochen entschieden, die Reisewarnung für alle Risikogebiete mit mehr als 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in sieben Tagen (Sieben-Tage-Inzidenz) zum 1. Juli aufzuheben. Das betrifft mehr als 80 Länder weltweit. Außerdem will die Regierung dann nicht mehr pauschal von touristischen Reisen ins Ausland abraten.

Für EU-Länder sowie Island, Liechtenstein, Norwegen und die Schweiz, die nicht mehr als Risikogebiet eingestuft sind, wird künftig in den Reisehinweisen des Auswärtigen Amts nur noch „um besondere Vorsicht gebeten“. Das betrifft zum Beispiel Italien, Österreich, Griechenland und große Teile Spaniens.

Die Reisewarnung für touristische Reisen wird vom 1. Juli an nur noch für Hochinzidenzgebiete mit einem Wert über 200 und solche Gebiete gelten, in denen sich gefährliche Virusvarianten stark verbreitet haben. Das sind weltweit zusammen 40 von insgesamt rund 200 Ländern. In Europa gibt es solche Gebiete derzeit kaum. Nur Großbritannien und seit Dienstag auch Portugal und Russland sind hier als Virusvariantengebiete eingestuft.

Maas versicherte, dass die Einstufung von Virusvariantengebieten auch künftig „nur im Einzelfall und nur auf der Grundlage von Zahlen, die das unbedingt notwendig machen“, erfolgen werde. Wer aus einem Virusvariantengebiet nach Deutschland zurückkehrt, muss für 14 Tage in Quarantäne - auch bei einer vollständigen Impfung oder Genesung. Wer kein deutscher Staatsbürger ist und keinen Wohnsitz in Deutschland hat, darf gar nicht mit Flugzeug, Bus oder Bahn einreisen.