Im erbitterten Streit um Corona-Impfstoffe haben die 27 EU-Staaten am Donnerstag keine einheitliche Linie gefunden. Österreich, Tschechien und Slowenien trugen einen Kompromissvorschlag zur Verteilung von zehn Millionen Impfdosen nicht mit, wie es aus Diplomatenkreisen hieß. Geplant sei nun, die Menge wie üblich nach Bevölkerungsstärke an die Mitgliedsstaaten zu verteilen.
24 Staaten - darunter Deutschland - hätten jedoch untereinander eine Spendenaktion vereinbart, um Staaten mit besonders großem Impfstoffmangel zu helfen. Insgesamt geben 19 Staaten gut 2,8 Millionen Dosen ab, um Lücken in Estland, Lettland, der Slowakei, Kroatien und Bulgarien auszugleichen. Deutschland verzichtet nach diesem Modell auf rund 500 000 Impfdosen zugunsten der fünf Staaten.
„Es ist ein wichtiges Signal in der Coronakrise, dass die ganz große Mehrheit in der EU Solidarität mit den besonders vom Impfstoffmangel betroffenen Ländern zeigt“, erklärte ein EU-Diplomat. „Es ist bedauerlich, dass Österreich, Slowenien und Tschechien ausscheren und sich dieser solidarisches Geste verweigern.“
Jean-Pierre Fellmer