Die Baubranche gehört auch in Niedersachsen und Bremen zu den wenigen Wirtschaftszweigen, denen die Pandemie im vergangenen Jahr relativ wenig anhaben konnte. Vor allem die anhaltend hohe Nachfrage nach Wohnhäusern und -gebäuden ließ die Erlöse des Bauhauptgewerbes noch einmal steigen. Nominal - also ohne Bereinigung um die Preisentwicklung - meldete der Bauindustrieverband am Montag für 2020 im Vergleich zum Vorjahr ein Plus um knapp 9 Prozent. Für Wohnimmobilien waren es mehr als 18 Prozent.
In der Sparte der Wirtschaftsbauten machte sich der Corona-Effekt jedoch klar bemerkbar, die Umsätze legten nur leicht um 0,5 Prozent zu. Der öffentliche Bau (plus 5 Prozent) profitierte zudem von den Konjunkturhilfen von Bund und Ländern, erklärte der Verband.
Auch die eingegangenen Aufträge entwickelten sich insgesamt positiv - ohne den Sondereffekt eines Großauftrags im Straßenbau noch um rund 6 Prozent. Beim Wirtschaftsbau ging es dagegen um 13 Prozent abwärts.
Bauinvestitionen zählten inmitten der zwischenzeitlich schweren Rezession des vergangenen Jahres zu den Stützen der Konjunktur, zusammen mit den Exporten besonders gegen Ende des abgelaufenen Jahres. Der Bauindustrieverband schätzt, dass 2021 nun ein leichter Umsatzrückgang folgen könnte, weil die Branche zeitversetzt reagiert.
Ein wesentlicher Treiber war zuletzt die private Baunachfrage. So erteilten niedersächsische Behörden sogar im ersten Halbjahr 2020, als die Viruskrise voll einschlug, deutlich mehr Genehmigungen für Wohngebäude. Es gibt jedoch auch Kritik an diesem Trend, weil die Flächenversiegelung durch Einfamilienhäuser zunimmt und besonders in städtischen Lagen mehr bezahlbarer Wohnraum gefordert wird.
Michael Rabba