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Tourismus von Lockdown hart getroffen - Hoffen auf Ostergeschäft

07:31
07.12.2020
Der aktuelle Lockdown in der Corona-Krise trifft die Tourismusbranche in Niedersachsen hart, nachdem es im Sommer zunächst eine Stimmungsaufhellung gegeben hatte. Das geht aus der neuen Saisonumfrage der Industrie und Handelskammern in Niedersachsen (IHKN) hervor. Knapp ein Drittel der befragten Unternehmen beklagt demnach Liquiditätsengpässe. „Die Geschäftslage ist in der Tourismusbranche miserabel - in der Reisebranche sagen fast 30 Prozent, dass die Betriebe von der Insolvenz bedroht sind“, sagte IHKN-Hauptgeschäftsführer Hendrik Schmitt in Hannover. „Das sind schon dramatische Zahlen.“ Bis Ostern wird nun auf eine Rückkehr zur Normalität gehofft.

„Wir erleben den Teil-Lockdown wie einen Voll-Lockdown“, sagte Bernhard Brons, Präsident der IHK für Ostfriesland und Papenburg. Im Geschäft an der Küste gebe es im November und Dezember Rückgänge um zwei Drittel. „Das ist in dieser Zeit sehr kritisch.“ Der Tourismussektor erwarte, dass die aktuelle Situation bis März andauere. „Wenn es nicht gelingt, dass wir ein normales Ostergeschäft erleben, dann wird bei ganz vielen das Licht ausgehen.“ Der Tourismus im Binnenland sei ebenfalls hart getroffen. „Beim Binnenlandgasthof ist jetzt die Saison, das Grünkohlessen findet nicht statt.“ IHKN-Hauptgeschäftsführer Schmitt sagte, es fielen auch Geschäftsreisen weg, etwa in der Messestadt Hannover.

„Die Situation in Niedersachsen als einem der führenden Tourismusländer in Deutschland ist tatsächlich sehr, sehr ernst“, sagte Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU). Hilfen von Bund und Land für die Branche müssten nun zielgenau und unbürokratisch ausgezahlt werden. Niedersachsen alleine stelle 120 Millionen Euro zur Unterstützung von Tourismus und Gastronomie bereit.

„2021 hoffen wir auf eine Wiederbelebung des Tourismus in Niedersachsen“, sagte Althusmann. Dabei sei die Hoffnung, dass das Bundesland auch dauerhaft von dem Trend in der Krise profitiert, dass Menschen wieder mehr Urlaub im eigenen Land und in der Natur verbringen. Im Sommer und Herbst seien Urlaubsgäste nach Niedersachsen gekommen, die sonst woanders hinreisen. „Das ist ein Potenzial, das wir aufgreifen müssen.“ Zusätzliche Unterstützung werde die Branche für internationales Marketing und Digitalisierung erhalten - dabei geht es auch darum, Quartiere online unkompliziert zu finden und buchen zu können.

Die Dramatik der aktuellen Lage wird von den Ergebnissen der IHKN-Saisonumfrage (Befragungszeitraum 7.10.-6.11.) untermauert. Bei jedem zweiten derzeit geschlossenen Betrieb in Gastronomie und Tourismus droht demnach die Insolvenz. Jedes zweite bedrohte Unternehmen wird den Geschäftsbetrieb ohne weitere Hilfen keine drei Monate mehr aufrechterhalten können. Eine Rückkehr zur normalen Geschäftstätigkeit wird erst im zweiten Halbjahr 2021 oder später erwartet.

Die Befragung zeigt auch große Unterschiede zwischen den Regionen und Beherbergungsarten. Tourismusbetriebe etwa konnten im Sommer und Herbst noch gute Umsätze machen, die Verluste vom Frühjahr aber ließen sich meist nicht mehr aufholen.

Maria Sandig