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Mehr schwere Corona-Fälle - Warten auf erhoffte Brems-Effekte

21:06
04.11.2020
In der zweiten Corona-Welle in Deutschland nehmen schwere Fälle zu. Die Zahl der registrierten Toten im Zusammenhang mit dem Virus erhöhte sich innerhalb eines Tages deutlich um 151 auf nun insgesamt 10 812, wie das Robert Koch-Institut (RKI) am Mittwoch mitteilte. Das ist nach RKI-Angaben der höchste Anstieg binnen 24 Stunden seit dem 6. Mai. Auch in Intensivstationen der Krankenhäuser werden - wie befürchtet - zusehends mehr Corona-Patienten behandelt. Die Zahl neuer Infektionen bleibt vorerst hoch. Politik und Mediziner diskutieren über mehr Schutz für das Gesundheitspersonal und Risikogruppen.

Die Zahl gemeldeter neuer Corona-Fälle stieg laut RKI binnen eines Tages um 17 214. Insgesamt sei aktuell „eine zunehmende Beschleunigung der Übertragungen“ in der Bevölkerung zu beobachten, hieß es im Lagebericht am Dienstagabend. Bezogen auf ganz Deutschland gab es nun 125,8 Neuinfektionen je 100 000 Einwohner über sieben Tage - am vergangenen Freitag waren es erstmals mehr als 100 gewesen. Um den rasanten Anstieg zu bremsen, greift seit Montag ein Teil-Lockdown mit Schließungen etlicher Einrichtungen im November.

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hat als Ziel ausgegeben, wieder in eine Region von 50 Infektionen in sieben Tagen pro 100 000 Einwohner zu kommen. Dann könnten Gesundheitsämter Kontakte infizierter Menschen nachverfolgen. Aktuell liegen beim RKI 41 Mitteilungen zu Engpässen dabei von Gesundheitsämtern vor, wie das Bundesgesundheitsministerium mitteilte. Die Bundeswehr hilft laut Verteidigungsministerium derzeit mit 5350 Soldaten, etwa in Gesundheitsämtern und bei Corona-Tests.

Auf einen zumindest leicht gebremsten Anstieg könnten erste Anzeichen hindeuten. Die Reproduktionszahl (R-Wert) lag laut RKI-Lagebericht nun bei 0,94 (Vortag: 1,07). Das heißt, dass ein Infizierter im Mittel knapp einen weiteren Menschen ansteckt. Der R-Wert bildet jeweils das Infektionsgeschehen etwa eineinhalb Wochen zuvor ab. Zudem gibt das RKI ein sogenanntes Sieben-Tage-R an. Es bezieht sich auf einen längeren Zeitraum und unterliegt daher weniger Schwankungen. Nach RKI-Schätzungen lag dieser Wert am Dienstag bei 0,98 (Vortag: 1,04). Er zeigt das Geschehen von vor 8 bis 16 Tagen.
Ob das leichte Sinken der R-Werte ein stabiler Trend oder eine Schwankung sei, könne man noch nicht sagen, hatte RKI-Vizepräsident Lars Schaade am Dienstag gesagt. 

Maria Sandig

Industrie sieht sich vor großen Herausforderungen

20:25
04.11.2020
Die Industrie sieht sich nicht nur wegen der Corona-Krise vor großen Herausforderungen. Der IG-Metall-Vorsitzende Jörg Hofmann sagte am Mittwoch bei einer digitalen Industriekonferenz, die Krise nehme keine Rücksicht auf Transformationsprozesse, die dynamischer würden. Er nannte die Digitalisierung und den Klimaschutz. Industriepräsident Dieter Kempf sagte, es komme darauf an, aus einem Krisenmodus in einen Modus der Zukunftsbewältigung zu kommen.

Hofmann sagte mit Blick auf die anhaltend hohe Zahl der Corona-Neuninfektionen, die Frage sei, ob die zweite Welle erneut zu einer Störung internationaler Lieferketten wie im Frühjahr führe. Dies könne enorme Folgen für die Industrie und für Jobs haben.

Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) sagte, seit dem Sommer habe es einen verhaltenen Optimismus gegeben, dass die Wirtschaft gut aus der Krise komme. Die Auftragseingänge in der Industrie hätten angezogen. Im Gegensatz zum Frühjahr führe der Teil-Lockdown im November nun aber nicht dazu, dass Industriebetriebe nicht mehr produzieren könnten. Altmaier erinnerte zudem an seinen Vorstoß vor wenigen Wochen, dem Klimaschutz in der Politik Vorrang einzuräumen und zugleich die Unternehmen vor Nachteilen im Wettbewerb zu schütze.

Es könne „grünen“ Stahl und eine „grüne“ Chemie geben, dazu müssten aber die Rahmenbedingungen geschaffen werden. Ökologische Transformation und wirtschaftlicher Erfolg seien zwei Seiten einer Medaille.

Maria Sandig