📌 Die Evolution des KI-Schnitts im redaktionellen Alltag beim SWR und der ARD:
- Der Startpunkt (2024): Das Projektteam testete KI bei Nachrichten im Film (NiF) – kurzen, bebilderten Textmeldungen. Das Versprechen von Zeitersparnis stieß schnell auf die Realität: Die rein technische Integration in Adobe Premiere Pro (via Television.AI) klappte zwar, doch die Qualität der automatischen Schnitte war oft nur ausreichend. Mensch und KI brauchten durch die nötige Nachbearbeitung anfangs sogar länger als ein:e Profi-Cutter:in allein.
- Der Durchbruch (2025): Mit dem Aufkommen von Reasoning-Modellen (die KI begründet nun ihre Schnitt-Entscheidungen) und verbesserten Prompts stieg die Qualität der KI-assistierten NiFs. Auf einem Hackathon entstand die ARD-weite Lösung „SchnittmAIster!“ auf Basis von Google-Services, die aktuell im BR getestet und weiterentwickelt wird.
- Der Status quo (2026): Der SWR plant konkrete Pilotvorhaben für Online-NiFs. In enger Abstimmung auf ARD-Ebene läuft die kontinuierliche Exploration, Erprobung und Evaluation neuer Tools, um gemeinsame, netzwerkübergreifende KI-Lösungen zu etablieren.
Auch wenn die Technik heute schon weit ist: Ein Publikumsvoting der Masterclass machte deutlich, welche komplexen Faktoren Medienhäuser bei der Implementierung von KI-Videoschnitt-Lösungen beachten müssen:
- Infrastruktur & Compliance: Neben dem reinen Kosten-Nutzen-Verhältnis und dem Entwicklungsaufwand wiegen regulatorische Vorgaben, strenge Gesetze, der Datenschutz sowie die IT-Sicherheit extrem schwer. Auch die rechtssichere KI-Kennzeichnung bleibt ein zentrales Thema.
- Kontextwissen: Eine große Hürde im Lokalen bleibt jedoch das Kontextwissen. KI-Modelle erkennen zwar Weltstars, aber nicht den lokalen Bürgermeister. Hier müssen die Sender gezielt nachtrainieren.
- Strategie & Zielgruppe: Vorab muss die klare Frage beantwortet werden: Wem hilft das Tool am Ende überhaupt – dem professionellen Cutter oder direkt der Redaktion?
- Agiles Mindset: Medienhäuser müssen eine dauerhafte Kultur des Explorierens etablieren. Da sich der Markt schnell entwickelt, sollte man sich nicht auf ein einziges Tool fixieren, sondern muss kontinuierlich neue technologische Lösungen erproben.