In einer Session zur Zukunft der Radiodistribution wird klar: Der Weg in eine digitale Radiowelt ist komplexer als es technologische Innovationen allein vermuten lassen. Unter der Moderation von Journalistin Lena Herrmann diskutieren Julian Popp (Fraunhofer IIS), Kathrin Kluser (Bundesagentur für Kommunikation/BAKOM Schweiz), Steffen Müller (Antenne Sylt) und Dr. Thorsten Schmiege (BLM) Möglichkeiten, Hürden und notwendige Strategien für die Migration von UKW zu DAB+.
Die folgenden drei Learnings fassen zentrale Erkenntnisse der Runde kompakt zusammen:
1. UKW bleibt – trotz Digitalisierung – dominanter Verbreitungsweg
Auch 15 Jahre nach Einführung von DAB+ bleibt in Deutschland UKW der meistgenutzte Ausspielweg für Radioprogramme. Steffen Müller von Antenne Sylt betont: „Die Medienanalyse zeigt, dass die DAB+-Nutzung nur 15 Prozent der Hörerreichweite zur Hauptsendezeit beiträgt.“ Ohne UKW könne sich ein Sender wirtschaftlich nicht tragen. Trotz staatlicher Förderungen sei die DAB+-Reichweite bislang begrenzt – eine Erkenntnis, die auch die Frage aufwirft: Warum erweist sich der DAB+-Markt hierzulande als so träge. Antwort darauf wurde in dieser Runde nicht gefunden.
2. DAB+ kann funktionieren – wenn es politisch gewollt ist
Ein Blick in die Schweiz zeigt: Mit einer klaren Strategie lässt sich Digitalisierung im Radiobereich erfolgreich umsetzen. Kathrin Kluser vom Schweizer BAKOM erklärt: „Wir haben vor über 30 Jahren einen Plan formuliert, wie die Radiodistribution migriert werden kann – nachdem immer mehr Stimmen aus der Branche nach Diversität verlangten. Diese Digitalisierungsstrategie haben wir bis 2024 auch umgesetzt.“ Heute hören 80 Prozent der Schweizer:innen Radio digital. Der politische Wille und eine strategische Planung machten den Unterschied.
3. Ohne bundesweite Strategie bleibt der digitale Umstieg ein Flickenteppich
Einigkeit herrscht auf dem Podium darüber, dass der Umstieg von UKW auf DAB+ ohne einen übergeordneten Plan kaum zu schaffen ist. Steffen Müller warnt vor zu großer Fragmentierung: „Wären die einzelnen Bundesländer selbst für ihre Strategie verantwortlich, entsteht ein Flickenteppich aus UKW und DAB+, das nicht nutzerfreundlich ist.“ Auch Müller sieht ohne Koordination erhebliche Risiken für den privaten Rundfunk. Die digitale Transformation braucht also nicht nur Technik, sondern auch politische Weichenstellung.