Grünen-Fraktionschefin Britta Haßelmann hat die Union aufgefordert, im Bundestag eine Kompromisslösung für eine allgemeine Corona-Impfpflicht in Deutschland mitzutragen. «Einfach immer nur Nein zu sagen, ist keine verantwortungsvolle Politik», sagte sie am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur. «Bleibt die Union bei ihrer Verweigerung des Impf-Kompromisses, gefährdet sie mit Blick auf den Herbst nicht nur den Gesundheitsschutz vulnerabler Gruppen, sondern sie riskiert erneute Einschnitte für Gesellschaft und Unternehmen.» Sie ließe zudem auch unionsgeführte Bundesländer im Regen stehen, die immer wieder die Einführung einer Impfpflicht angemahnt hätten.
Haßelmann sagte, die Befürworter einer Impfpflicht mit 18 Jahren und mit 50 Jahren hätten sich nun auf einen Kompromiss verständigt, der auch ursprüngliche Forderungen der Union aufgenommen habe. Man könne der CDU/CSU nur raten, nicht immer neue Begründungen aus dem Hut zu ziehen, warum eine konstruktive Mitarbeit und Entscheidung in der Sache für jede Abgeordnete und jeden Abgeordneten nicht möglich sein sollte. Die Grünen-Politikerin forderte Unionsfraktionschef Friedrich Merz (CDU) auf, die Impfpflicht nicht für parteitaktische Spielchen und eigene Profilierungsmaßnahmen zu missbrauchen.
Über mehrere Anträge und einen eingebrachten Kompromissentwurf für eine Impfpflicht zunächst ab 60 Jahren soll der Bundestag an diesem Donnerstag ohne sonst übliche Fraktionsvorgaben abstimmen. Zunächst zeichneten sich keine klaren Mehrheitsverhältnisse im Parlament ab.