Angesichts des Verbots von Kritik am russischen Angriffskrieg ist in Moskau eigens eine Polizeistreife für ein inoffizielles Mahnmal für ukrainische Opfer abgestellt worden. Bereits seit Dienstagabend sind in der kleinen Parkanlage im Stadtzentrum nun rund um die Uhr zwei Beamte im Einsatz an dem Ort, an dem Passanten Blumen für die mehr als 45 Todesopfer im zentralukrainischen Dnipro abgelegt haben. Am vergangenen Wochenende war dort eine russische Rakete mitten in ein Wohnhaus eingeschlagen.
Unbekannte Moskauer errichteten daraufhin die kleine Gedenkstelle am Fuß eines Denkmals für die ukrainische Dichterin Lessja Ukrajinka. Sie legten auch ein Schwarz-Weiß-Foto des zerstörten Wohnhauses in Dnipro und Kuscheltiere in Gedenken an die Kinder unter den Opfern ab. Wenig später rückte die Polizei an. Bürgerrechtlern zufolge wurden mehrere Menschen festgenommen beim Versuch, Blumen abzulegen. Ungeachtet des Drucks durch die Behörden ist der improvisierte Gedenkort über die Tage zwar viel kleiner geworden, aber noch immer nicht ganz verschwunden. Mehrfach wurden die Blumen schon weggeräumt, doch Passanten brachten neue - unter den Augen der Polizisten.