Lettlands Staatspräsident Egils Levits hat bei der jährlichen Gedenkstunde im Bundestag zum Volkstrauertag zur inneren und äußeren Stärkung der Demokratie aufgerufen. Die Geschichte zeige, dass eine Schwäche der Demokratie zu Krieg und Gewalt führen könne, sagte er in seiner auf Deutsch gehaltenen Rede. Levits forderte die Länder der Europäischen Union dazu auf, "gebührend" in ihre Verteidigung zu investieren und solidarisch zu sein mit denjenigen, die für Demokratie und gemeinsame Werte kämpften.
Am Volkstrauertag wird jedes Jahr im Bundestag an die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft erinnert. Er stand in diesem Jahr im Zeichen des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sprach das traditionelle Totengedenken. Levits war als Gastredner eingeladen.
Er würdigte in seiner Rede den deutschen Umgang mit der eigenen Geschichte. Die deutsche Gesellschaft habe sich durch eine "schonungslose Aufarbeitung ihrer Vergangenheit" ein festes Fundament demokratischer Werte aufgebaut. Die russische Gesellschaft habe das nie getan. "Dieses Unvermögen zur Vergangenheitsbewältigung hat der Wiedergeburt der kruden Ideologie des russischen Imperialismus den Weg bereitet", sagte er mit Blick auf den Angriffskrieg gegen die Ukraine. Die Demokratie und der Westen als ihre Verkörperung seien der eigentlich viel größere Feind dieser "gewalttätigen Ideologie".