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Kremlkritiker Chodorkowski drängt Westen zu Lieferung schwerer Waffen

09:53
28.05.2022
Der Kremlkritiker Michail Chodorkowski drängt den Westen zur Lieferung schwerer Waffen an die Ukraine. „Wenn den Ukrainern die Waffen, die sie anfordern, nicht geliefert werden, wird es bald wieder zu Kämpfen um Kiew kommen“, sagte der 58-Jährige der „Bild“ (Samstag). Er denke, westliche Politiker hätten vor allem Angst vor dem russischen Präsidenten Wladimir Putin. „Sie glauben, sich nicht in einem Krieg zu befinden. Deswegen glauben sie auch, dass die Lieferung bestimmter Waffen zu einer Eskalation führen oder sie zu einer Kriegspartei machen könnte.

Chodorkowski bezeichnete dies als „sehr dumme Haltung“, da sich westliche Politiker und Länder aus Putins Sicht bereits im Krieg mit Russland befänden. Auf die Frage, ob der Krieg Putins Regierung stärken oder schwächen werde, antwortete er: „Das hängt davon ab, wie dieser Krieg enden wird. Wenn Putin den Krieg nicht gewinnt, wird das Regime geschwächt sein.“ Anfangs habe Putin verkündet, sein Ziel sei die „Entnazifizierung“ der Ukraine und die Einnahme von Kiew. „Wenn er also Kiew nicht erobern kann, hat er den Krieg bereits nicht gewonnen. Das Problem besteht darin: Wenn er einen Teil der Ukraine erobert, wird der Krieg nur für bestimmte Zeit aufhören – und zwar nicht lange.“

Chodorkowski war früher Chef des russischen staatlichen Ölkonzerns Yukos. Nach seinem Bruch mit Putin saß er von 2003 bis 2013 in Haft. Dann wurde er begnadigt und durfte Russland verlassen. Vor gut einer Woche hatte Russland Chodorkowski als „ausländischen Agenten“ eingestuft.

Chodorkowski warf der russischen Regierung vor, die Ukraine auszurauben. Putins Befehlshaber sagten offen: „Die Ukraine hat guten Boden und wir müssen ihn uns einfach nehmen.“ Die russischen Soldaten seien schlicht und einfach Diebe. „In Wirklichkeit ist das einfach nur ein Raubzug“, sagte Chodorkowski. Für die oberste russische Ebene sei dies eine Gelegenheit, das Geld des ukrainischen Staatshaushalts zu stehlen. Auf der mittleren Ebene wollten sie sich das Land und das Getreide unter den Nagel reißen, und auf der unteren Ebene wollten sie einfach iPads klauen.

Patrick Reichelt

Ukrainisches Militär räumt Rückschlag in wichtiger Stadt Lyman ein

08:31
28.05.2022
Das ukrainische Militär hat einen Rückschlag im Kampf um die strategisch wichtige Stadt Lyman im Donbass eingeräumt. Der Feind „versucht sich im Raum Lyman festzusetzen“, und beschieße bereits Ortschaften außerhalb der Stadt, heißt es im Lagebericht des ukrainischen Generalstabs am Samstag. Am Vortag hatte der Generalstab noch von Kämpfen in Lyman berichtet und mitgeteilt, die russischen Truppen versuchten, die ukrainischen Verteidiger aus der Stadt zu drängen. Die prorussischen Separatisten hatten am Freitag die Eroberung Lymans gemeldet.

Nun teilte der Generalstab mit, dass die russischen Truppen die Ortschaften Oserne und Dibrowa mit Granat- und Raketenwerfern beschießen. Beide Dörfer liegen südöstlich von Lyman. Das deutet darauf hin, dass die Front nun südlich der Stadt verläuft. Das russische Militär hatte Lyman von Norden her angegriffen. Die Stadt liegt strategisch wichtig an einer Kreuzung, von wo aus sowohl der Ballungsraum um die Großstädte Sjewjerodonezk und Lyssytschansk als auch der Ballungsraum um Slowjansk und Kramatorsk attackiert werden kann.

Sjewjerodonezk war ein weiteres Ziel russischer Angriffe in der Nacht. Die Vorstöße auf die Stadt sowie deren Vororte Toschkiwka und Oskolonowka seien aber abgewehrt worden, teilte der Generalstab mit. Im nahe gelegenen Bachmut hätten die Russen versucht, in den Rückraum der ukrainischen Kräfte zu kommen und die Versorgungswege abzuschneiden. Auch diese Bemühungen seien gescheitert.

Richtung Slowjansk gab es laut Bericht keine Bodenoffensive der russischen Truppen. Stattdessen seien in dem Raum mit Artillerie und Luftwaffe mehrere Ortschaften bombardiert worden. Artilleriefeuer auf die ukrainischen Verteidigungslinien wird auch an den übrigen Schwerpunkten der Front gemeldet: Kurachowe, Awdijiwka sowie weiter südwestlich in Huljajpole.

Patrick Reichelt