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Selenskyj telefoniert mit Italiens Draghi wegen Getreidekrise

15:40
27.05.2022
Nach Kremlchef Wladimir Putin hat auch Ukraines Präsident Wolodymyr Selenskyj mit dem italienischen Regierungschef Mario Draghi über die akute Getreidekrise als Folge des Krieges gesprochen. Bei dem Telefonat scheint es aber keine größeren Schritte gegeben zu haben in Richtung einer Lösung für die riesigen Mengen an Getreide in den ukrainischen Häfen, die von russischen Schiffen blockiert werden. Selenskyj habe sich für die Initiative aus Rom bedankt und vereinbart, „über mögliche Lösungen weiter in Kontakt zu bleiben“, teilte das Büro Draghis am Freitag mit.

Weil das Getreide aktuell nicht exportiert werden kann, stehen vor allem ärmere Importländer etwa in Afrika vor einer großen Lebensmittelkrise. Putin hatte am Donnerstag mit Draghi telefoniert und dabei gefordert, dass der Westen seine Sanktionen gegen Russland aufhebe. Dann sei Moskau auch bereit, Schiffe mit Getreide und Dünger aus den Häfen am Schwarzen Meer wieder passieren zu lassen.

Russland war wegen des Angriffs auf die Ukraine von den Staaten der EU und anderen westlichen Ländern mit vielen Handelssanktionen belegt worden. Russland und die Ukraine sind große Getreideexporteure mit einer wichtigen Rolle für die Welternährung.

Denise Frommeyer

„Süddeutsche“ bedauert „Irritationen“ wegen Selenskyj-Karikatur

15:12
27.05.2022
Nach Kritik an einer Karikatur zum ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj hat die Chefredaktion der „Süddeutschen Zeitung“ die „in dem Zusammenhang entstandenen Irritationen“ bedauert. „Wie wir aus Leserreaktionen sehen, weckt die Karikatur bei einigen Menschen antisemitische Assoziationen. Dies war von uns keinesfalls beabsichtigt“, teilte die Chefredaktion am Freitag auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mit. „Die "SZ" ist gegen jede Form des Antisemitismus.“

Die Karikatur, die Selenskyj als übergroße Figur beim Weltwirtschaftsforum in Davos darstellt, hatte im Internet Vorwürfe des Antisemitismus ausgelöst. Selenskyj hat jüdische Wurzeln. Die Karikatur erschien in der Feiertagsausgabe.

In der Stellungnahme der Chefredaktion heißt es: Nähere man sich der Karikatur über die realen Fernsehbilder des Weltwirtschaftsforums an, so sei sie eine wirklichkeitsnahe Illustration und versinnbildliche, wie stark das Thema „Ukraine-Krieg“ dieses Forum präge. Zugleich versicherte die Chefredaktion, man nehme die Kritik ernst.

Zu den Kritikern der Karikatur zählt der Beauftragte der Bayerischen Staatsregierung für jüdisches Leben und gegen Antisemitismus, Ludwig Spaenle. Er erklärte, Karikaturen seien eine besondere Form der Meinungsäußerung und von künstlerischer Kreativität - und da müsse es auch große Freiheit geben. „Diese Karikatur allerdings werte ich als üble Verzeichnung des Präsidenten der Ukraine und das ist aus meiner Sicht nicht akzeptabel.“ Die Darstellungsform lasse bei vielen Menschen weit weg von der Realität antisemitische Klischees wachwerden. Spaenle betonte, das Ganze sei auch deshalb für ihn persönlich verstörend, da er die Zeitung in der Berichterstattung über antisemitische Strömungen, Vorfälle und Straftaten schätze.

Im Internet hatten sich zuvor viele Stimmen ähnlich kritisch geäußert und zum Teil auch Bezüge zu früheren Karikaturen in der Zeitung hergestellt. Die „Süddeutsche Zeitung“ als eine der größten überregionalen Blätter Deutschlands hatte auf Twitter zunächst so reagiert: „Diese Karikatur ist die zeichnerische Umsetzung der Fernsehbilder vom Montag: Der ukrainische Präsident auf der Videowand, und damit im XXL-Format, vor dem Publikum in Davos. Sie illustriert, wie dominierend das Thema Ukraine dort ist.“ Die Zeitung stellte in dem Tweet zudem eine Videoaufnahme des Forums direkt unter die Karikatur.

Denise Frommeyer