Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat das dänische Volk an das Ende der Besatzung durch Nazideutschland erinnert. Die Nazis hätten damals verloren und die Freiheit habe gewonnen, sagte Selenskyj am Mittwochabend auf Veranstaltungen in Kopenhagen und Aarhus, zu denen er auf Großbildschirmen aus Kiew zugeschaltet war. Dänemark und die Welt hätten damals gefeiert und die Hoffnung gehabt, dass solch ein grausamer Krieg der letzte sein werde. Doch mit dem russischen Angriff gegen die Ukraine sei der Krieg wieder hier, sagte Selenskyj. Er sei bereits genauso grausam geworden wie derjenige, an dem man sich jedes Jahr im Mai erinnere.
Fast 1000 Raketen seien gegen die Ukrainer eingesetzt worden, die Mehrheit davon gegen nicht-militärische Einrichtungen. „Das sind Kindergärten, Schulen, Universitäten. Das ist es, gegen das Russland in der Ukraine kämpft“, sagte Selenskyj. Russland habe bereits 220 Kinder in seinem Land getötet, und man wisse nicht, wie die Situation in den besetzten Gebieten aussehe. Russland sei nicht bereit, den Krieg zu stoppen, und träume davon, dass die Freiheit aus Europa verschwinde.
In Dänemark werden jedes Jahr am 4. Mai Lichter in Erinnerung an die Befreiung von der deutschen Besatzung angezündet. Am Abend des 4. Mais 1945 war im britischen BBC-Radio verkündet worden, dass sich die deutschen Truppen unter anderem in Dänemark ergeben hätten. Die Dänen feierten diese Botschaft, indem sie Lichter auf ihre Fensterbänke stellten, was ihnen die Deutschen verboten hatten, damit britische Bomber das Licht nicht zur Navigation nutzen konnten. Seitdem ist es Tradition, am Abend des 4. Mais Lichter in die Fenster zu stellen. Nazideutschlands Kapitulation trat dann eigentlich erst am 5. Mai in Kraft, was deshalb als offizielles Datum der Befreiung gilt.
Auf den beiden Veranstaltungen in den beiden größten Städten des Landes trugen zahlreiche Menschen Fackeln, diesmal allerdings auch in Solidarität mit der Ukraine. Organisiert worden war das Ganze von den Zeitungen „Jyllands-Posten“ und „Politiken“.
Michael Rabba