Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch hat im ukrainischen Butscha nach eigenen Angaben umfangreiche Belege für Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit gesammelt. Laut einem am Donnerstag veröffentlichten Bericht dokumentierten eigene Mitarbeiter vor Ort Massenhinrichtungen, wahllose Erschießungen von Zivilisten, Verschleppungen und Folter sowie den Einsatz von Sprengfallen.
Die Organisation betonte, eine behördliche Sicherung von Beweismaterial mit internationaler Hilfe sei entscheidend, um die Verantwortlichen einmal zur Rechenschaft ziehen zu können. Sie rief die Ukraine auf, den Vertrag zum Internationalen Strafgerichtshof zu ratifizieren und formell Mitglied des Gerichts in Den Haag zu werden.
Human Rights Watch bezieht sich in dem Bericht auf 32 persönliche Interviews mit Einwohnern in Butscha sowie fünf telefonische Interviews, persönliche Inaugenscheinnahme und die Auswertung von Bildmaterial. Unter anderem wirft die Organisation den russischen Streitkräften vor, Schulen und zivile Wohnhäuser besetzt und damit zu militärischen Zielen gemacht zu haben. Auch hätten russische Soldaten unter Bruch des Kriegsrechts private Wohnungen geplündert.
Der für die Region zuständige ukrainische Staatsanwalt Ruslan Kravchenko gab laut Human Rights Watch an, nach dem Rückzug der russischen Truppen am 31. März seien bis zum 15. April in Butscha 278 Leichen gefunden worden, überwiegend Zivilisten. Weitere Tote würden entdeckt.