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Scholz wirft Russland Imperialismus vor

19:15
29.03.2022
Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hat Russland vorgeworfen, die Ukraine anzugreifen „für eine sehr imperialistische Vision“. Es müsse klar gesagt werden, dass der Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine erfolge, um Territorium zu erobern. „Das können und das werden wir nicht akzeptieren“, unterstrich der Kanzler am Dienstagabend bei einer Veranstaltung der nordrhein-westfälischen SPD-Landtagsfraktion im Düsseldorfer Landtag.

„Das ist in der Tat eine ernste und eine sehr, sehr, sehr bedrohliche Situation“, mahnte Scholz. Es sei richtig gewesen, dass die freie Welt sehr schnell und geschlossen wirksame Sanktionen gegen Russland verhängt habe. Putins Kalküle seien allesamt nicht aufgegangen. Der Präsident habe völlig übersehen, dass sich die Ukrainer entschieden hätten, eine eigene Nation zu sein und dass er und seine Armee keineswegs mit offenen Armen empfangen würden. „Auch die russischsprachigen Ukrainerinnen und Ukrainer setzen sich gegen diese Invasion zur Wehr“, stellte Scholz fest.

Er habe viele Gespräche mit Putin geführt. Ich weiß ganz genau: Geopolitik - wie er das nennt - spielt schon eine große Rolle.“ Das sei aber völlig verfehlt. „Wenn wir alle anfangen, in den Geschichtsbüchern zu blättern, wo denn mal die Grenzen früher verlaufen sind, (...), wo irgendwie mal Ansprüche bestanden (...), wenn wir anfangen, uns umzuschauen, wer die gleiche Sprache oder ein ähnliche Sprache spricht wie man selbst und aus diesen Erkenntnissen irgendeine Entscheidung für die Gegenwart abzuleiten, dann schaffen wir eine Zeit der Unruhe und des Krieges in Europa“, warnte Scholz.

Zu den sicherheitspolitischen Errungenschaften der vergangenen Jahrzehnte habe die Integrität und Unverletzlichkeit der europäischen Grenzen gehört - auch bestätigt durch gemeinsame Beschlüsse mit Russland. Dass die Grenzen nicht mehr verschoben werden, müsse wieder Konsens werden.

Die Nato und Deutschland müssten in der Lage sein, sich zu verteidigen, damit „nicht jemand, der mit Gewalt Recht brechen will, das einfach machen kann“, betonte Scholz. Deshalb sei es richtig, die Bundeswehr jetzt stärker auszustatten. Dabei gehe ihm aber jetzt nicht um „abstrakte Größen“ wie den Anteil der Verteidigungsausgaben an der Wirtschaftsleistung. Es gehe vor allem darum, alles zu tun, „um wieder dafür zu sorgen, dass man mit Diplomatie und Gesprächen möglich macht, dass jetzt endlich dieser Krieg aufhört.“ In Europa müsse wieder um das Prinzip gekämpft werden, „dass kein Krieg unter den Ländern geführt wird“.

Michael Rabba

US-Außenminister: Keine wirklichen Fortschritte bei Friedensgesprächen

19:13
29.03.2022
US-Außenminister Antony Blinken erkennt bei den Friedensgesprächen zwischen Russland und der Ukraine bislang keine wirklichen Fortschritte. Er habe nichts gesehen, was darauf hindeute, dass es auf effektive Weise vorangehe, sagte Blinken am Dienstag in der marokkanischen Hauptstadt Rabat nach einem Treffen mit seinem dortigen Amtskollegen Nasser Bourita. Die USA hätten bei Russland zumindest keine wirkliche Ernsthaftigkeit ausgemacht.

Nach neuen Friedensgesprächen mit der Ukraine hatte Russland am Dienstag zugesagt, seine Kampfhandlungen an der nördlichen Front bei Kiew und Tschernihiw deutlich zurückzufahren. Vize-Verteidigungsminister Alexander Fomin sagte nach dem Treffen in Istanbul, seine Regierung wolle so Vertrauen aufbauen und weitere Verhandlungen ermöglichen.

Blinken erklärte: „Es gibt das, was Russland sagt. Und es gibt das, was Russland tut. Wir konzentrieren uns auf das Letztere.“ Was Russland tue, sei die „andauernde Brutalisierung der Ukraine und ihrer Bevölkerung“. Sollte Moskau glauben, mit dem Versuch einer Unterwerfung des östlichen oder südlichen Teils der Ukraine Erfolg zu haben, „dann machen sie sich selbst etwas vor“.

Blinken reist derzeit durch den Nahen Osten. In Marokko wollte er sich am Abend auch noch mit dem Kronprinzen Abu Dhabis und faktischen Herrscher der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), Mohammed bin Sajid, treffen. Später will er nach Algerien reisen.

Michael Rabba