Human Rights Watch wirft Russland eine zwangsweise Übersiedlung ukrainischer Zivilisten vor, auch von solchen auf der Flucht vor Kämpfen. Bewohner aus den Gebieten von Mariupol oder Charkiw seien unter verschiedenen Androhungen genötigt worden, sich nach Russland oder in russisch kontrollierte Region Donezk zu begeben, heißt es in einem am Donnerstag veröffentlichten Bericht. Zwangsumsiedlungen stellten ein Kriegsverbrechen und ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit dar, so die Menschenrechtsorganisation mit Sitz in New York.
Der Bericht fußt laut Human Rights Watch auf Interviews mit 54 Personen, darunter Betroffenen. Zur Zahl der nach Russland gebrachten ukrainischen Zivilisten gibt es keine Schätzung. Die Organisation zitiert eine russische Agenturmeldung von Ende Juli, nach der mehr als 2,8 Millionen Ukrainer nach Russland einreisten, darunter 448.000 Kinder. Human Rights Watch zufolge gaben einige Personen auch an, freiwillig dorthin gegangen zu sein, unter anderem Männer im waffenfähigem Alter, denen das ukrainische Kriegsrecht eine Ausreise verbietet.
Weiter beschuldigt Human Rights Watch russische Behörden, Tausende flüchtender Ukrainer einer zwangsweisen Sicherheitsüberprüfung unterzogen zu haben. Dabei seien biometrische Daten wie Fingerabdrücke aufgenommen, Leibesvisitationen und Befragungen durchgeführt sowie Gepäck und Mobiltelefone durchsucht worden. Es handele sich um Zwangsmaßnahmen, die das Recht auf Schutz der Privatsphäre verletzten und keine rechtliche Grundlage hätten, so die Menschenrechtsaktivisten.
KNA