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Russische Besatzer werfen Ukraine Beschuss von AKW Saporischschja vor

10:54
18.08.2022
Die russischen Besatzer des Atomkraftwerks Saporischschja haben der ukrainischen Führung vor einem Besuch von UN-Generalsekretär António Guterres erneut gefährliche Angriffe vorgeworfen. Es gebe die Gefahr, dass durch den Beschuss das Kühlsystem der Reaktoren und die Lagerstätten für nukleare Abfälle beschädigt würden, sagte der Besatzungschef der Region, Jewgeni Balizki, am Donnerstag im russischen Staatsfernsehen. „Das Kühlsystem garantiert die zuverlässige Arbeit des Atomkraftwerks“, sagte er und warnte vor einer Katastrophe wie 1986 im ukrainischen Kernkraftwerk Tschernobyl.

In Lwiw im Westen der Ukraine war für den Nachmittag ein Treffen von UN-Generalsekretär Guterres mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj und dem türkischen Staatschef Recep Tayyip Erdogan angesetzt. Dabei sollte es um Russlands Angriffskrieg und um das AKW gehen.

Die Ukraine und Russland werfen sich gegenseitig vor, das Kraftwerk zu beschießen. Das russische Verteidigungsministerium behauptete, die Regierung in Kiew plane an diesem Freitag einen Schlag gegen Europas größtes Atomkraftwerk, um dann Moskau die Schuld an einer möglichen radioaktiven Katastrophe zu geben. Entsprechende Einheiten würden dort zusammengezogen, Teile der 44. Artillerie-Brigade sollen die Schläge von der Stadt Nikopol aus vollziehen, sagte Ministeriumssprecher Igor Konaschenkow. Beweise legte er nicht vor. Überprüfbar waren die Angaben nicht.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte den russischen Streitkräften „atomaren Terrorismus“ vorgeworfen, sie würden das AKW als „Schutzschild“ benutzen, um von dort Ortschaften zu beschießen.

Mehr als 40 Staaten haben Russland aufgefordert, das AKW wieder in die Kontrolle der Ukraine zu übergeben. Die Führung in Moskau lehnt das ab mit der Begründung, dass die Sicherheit angesichts der Kämpfe nicht gewährleistet werden könne. Laut Experten wären auch russische Gebiete besonders schwer von einer Atomkatastrophe betroffen.

Möglich sei die Zerstörung der Reaktoranlagen, wodurch radioaktive Stoffe in die Atmosphäre gelangen und Hunderte von Kilometern verbreitet werden können, sagte der Chef der russischen Streitkräfte für den Strahlen-, chemischen und biologischen Schutz, Igor Kirillow. Er warnte mittels einer Grafik vor den „katastrophalen Folgen“, die noch schlimmer seien als die Gaskrise in Europa. Das russische Militär behauptet, das AKW lediglich zu sichern, dort aber keine schweren Waffen stationiert zu haben. Nach Angaben aus Moskau fängt die russische Luftabwehr immer wieder Angriffe auf das AKW ab. Bisher soll keine erhöhte Radioaktivität gemessen worden sein.

Michael Rabba

Menschenrechtler: Russland rekrutiert für Krieg in Gefängnissen

09:39
18.08.2022
Für Moskaus Angriffskrieg gegen die Ukraine werden nach Angaben von Menschenrechtlern in russischen Gefängnissen gezielt Freiwillige gesucht. Verdächtige und Angeklagte würden auch mit dem Versprechen angeworben, dass im Gegenzug das Strafverfahren eingestellt werde, berichtete die in Berlin lebende russische Bürgerrechtlerin Olga Romanowa bei Facebook. Es gebe Beispiele aus Untersuchungsgefängnissen im Moskauer Gebiet. „Aber ich denke, es hat überall begonnen“, schrieb Romanowa, die als angesehene Expertin für die Rechte von Gefangenen in Russland gilt.

Eine Generalmobilmachung für den seit bald einem halben Jahr dauernden Krieg in der Ukraine gibt es in Russland nicht. Deshalb sind die Armee und Präsident Wladimir Putin auf Freiwillige angewiesen. Als Zeichen für Personalmangel an der Front gilt, dass die Behörden in vielen Regionen damit begonnen haben, mit Straßenreklame für einen Einsatz in der Ukraine zu werben. Städte und Regionen gründen demnach eigene Bataillone.

Da in Russland fast alle Anklagen mit einem Schuldspruch enden, sollen Verdächtige und Angeklagte nun offenbar vor die Wahl gestellt werden: Krieg oder Gefängnis. Der Gründer des gegen Gewalt in russischen Gefängnissen geschaffenen Projekts Gulaga.net, Wladimir Ossetschkin, bestätigte in seinem Exil in Frankreich die Anwerbepraktiken in Gefängnissen. Es gebe dazu auch Informationen aus St. Petersburg, Rjasan, Twer und Brjansk.

Dem Internetportal Meduza zufolge gab es schon Anfang Juli Berichte in russischen Medien über die Suche nach Freiwilligen in zahlreichen Straflagern des Riesenreiches. Demnach soll die private Söldnerorganisation „Wagner“ dort Straftäter für den Kriegseinsatz angeworben haben.

Das Internetportal Mediazona berichtete, dass der von den USA gesuchte Geschäftsmann Jewgeni Prigoschin, der als „Wagner“-Finanzier mit besten Kontakten zu Putin gilt, selbst in Straflagern Freiwillige angeworben haben soll. Im Gegenzug seien ihnen 100 000 Rubel (1600 Euro) Monatslohn, Prämien, Zahlungen an die Familien im Todesfall und eine Amnestie in Aussicht gestellt worden.

dpa