Mit Blick auf den russischen Angriffskrieg in der Ukraine fordern Politiker verschiedener Parteien, auch diplomatische Gespräche mit Moskau aufrechtzuerhalten. „Ich gehöre nicht zu jenen, die prinzipiell sagen, es dürfte keine Gespräche mehr mit wichtigen Persönlichkeiten der russischen Führung geben“, sagte FDP-Generalsekretär Bijan Djir-Sarai dem Wochenmagazin „Spiegel“.
„Auch wenn uns die Gesprächspartner nicht gefallen: Es ist richtig und wichtig, solche Kanäle offenzuhalten.“ Allerdings müsse die Botschaft glasklar sein: „Wir sind nicht neutral, sondern auf der Seite der Ukraine.“ Deutschland und Europa bräuchten eine langfristige strategische Perspektive, wie mit Russland und dem Regime Putins umgegangen werden soll, sagte er.
Der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) sagte dem Magazin, um den „barbarischen und völkerrechtswidrigen Angriffskrieg“ Russlands schnellstmöglich zu beenden, seien auch Gesprächsversuche mit dem Kreml unverzichtbar - „aus eigener Stärke und mit klaren Botschaften“. Deutschland und der Westen bräuchten darüber hinaus eine langfristige Russlandstrategie.
Der frühere Regierende Bürgermeister von Berlin, Michael Müller, derzeit SPD-Mitglied im Auswärtigen Ausschuss des Bundestags, verlangte eine aktive Rolle des Auswärtigen Amtes. „Die Instrumente des Außenministeriums sind das Wort und die Diplomatie.“ Neben allen „richtigen, auch militärischen Unterstützungen für die Ukraine muss das Ziel sein, auf einen zumindest temporären Waffenstillstand hinzuwirken“, sagte Müller.
Auch aus der Wissenschaft gibt es Forderungen an die Bundesregierung, verstärkt mit Russland zu reden. „Schon zum Schutz unserer eigenen Sicherheit müssen wir den Kontakt mit Moskau suchen“, sagte Wolfgang Richter, Oberst a. D. und Forscher an der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin. An den Nato-Grenzen mit Russland und Belarus stünden sich viele Soldaten gegenüber, die Gefahr militärischer Zwischenfälle sei sehr hoch. „Das verlangt einen Austausch zu Sicherheitsfragen mit Russland.“