Letztes Update:
20220701103628

Weizenernte in der Ukraine schwächer als in den Vorjahren

09:57
01.07.2022
 Die Weizenernte in der Ukraine wird nach Angaben des Mischkonzerns Baywa schwächer als in den Vorjahren ausfallen. Derzeit reiften dort 22,48 Millionen Tonnen Brotweizen für die Ernte heran, das sei ein Rückgang um 17 Prozent zum Schnitt der vergangenen vier Jahre, sagte Baywa-Chef Klaus Josef Lutz am Donnerstag. Basis für die Einschätzung sind aktuelle Satellitendaten. Diese zeigten, „dass eine unterdurchschnittliche Ernte nicht mehr zu vermeiden ist“, betonte er. Auch der „Spiegel“ hatte darüber berichtet.

Grund für den erwarteten Rückgang sei nicht nur der Krieg, sondern vor allem die Trockenheit, sagte Heike Bach, CEO der Baywa-Tochter Vista. Darüber hinaus sei der Transport ein Problem, sagte Lutz: „Ohne Öffnung der Häfen wird das Getreide nicht außer Landes kommen.“

Diese Entwicklung sei für die Menschen in den ärmsten Ländern der Welt eine Katastrophe, sagte Lutz weiter. Durch die geringe Ernte fehlen Lutz zufolge rund 20 Millionen Tonnen Weizen auf dem Weltmarkt. Dadurch steige der Preis und Teile der Welt müssten hungern. Es gebe beim Aufkauf von Weizen bereits ein Wettrennen zwischen den Schwellenländern.

Und die Erträge könnten noch schlechter ausfallen, weil manche Felder wegen Minen, Metallteile und Verunreinigungen nicht befahrbar seien, warnte Lutz. Ausgerechnet die ertragreichsten Gebiete befänden sich in den Kriegsregionen. Die Ernte habe bereits begonnen und werde bis Ende Juli andauern. Erst in ihrem Verlauf werde sich zeigen, wie viele Felder tatsächlich befahrbar sind.

Nach Aussagen von Bundeskanzler Olaf Scholz bemühten sich die G7-Staaten, Getreideexporte aus dem Kriegsgebiet zu ermöglichen. Die Ukraine und Russland gehören zu den größten Weizen-Exporteuren weltweit. Weil Russland die ukrainischen Häfen blockiert, kann viel Getreide aber nicht exportiert werden.

Patrick Reichelt

„WSJ“: Russlands Schlangeninsel-Rückzug beendet Hafenblockade nicht

08:57
01.07.2022
Zur Rückeroberung der strategisch wichtigen Schlangeninsel im Schwarzen Meer durch die Ukraine sowie Russlands anhaltende Blockade der Getreideexporte schreibt das „Wall Street Journal“:

„Der ukrainische Sieg bedeutet keine größere Änderung des Kriegsverlaufs, aber er schwächt die Schwarzmeerblockade des Kremls. (...) Wenn Russland seine Operationen im Schwarzen Meer ohne die Schlangeninsel auf demselben Niveau aufrechterhalten will, muss es möglicherweise einige seiner Schiffe in die Reichweite der ukrainischen Harpoon- und Neptun-Schiffsabwehrraketen bringen.(...)

Doch der Rückzug von der Schlangeninsel allein wird die russische Getreideblockade nicht beenden. Die Gewässer sind nach wie vor mit Minen übersät, und die russische Marine hindert Handelsschiffe weiterhin daran, mit Weizen oder Sonnenblumenöl auszulaufen. Dennoch räumt der Rückzug Russlands von der Schlangeninsel ein wesentliches Hindernis für die Aufhebung der Blockade aus dem Weg. Der Westen könnte auf dieser Dynamik aufbauen, indem er eine Operation startet, um Handelsschiffe aus dem Schwarzen Meer zu eskortieren.“

Patrick Reichelt