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Johnson reist nach Kiew und verspricht neue Ausbildungsmission

18:38
17.06.2022
Der britische Premierminister Boris Johnson ist am Freitag überraschend nach Kiew gereist. Bei seinem zweiten Besuch in der ukrainischen Hauptstadt seit Beginn des russischen Angriffskriegs überbrachte Johnson das Angebot einer britisch-geführten Ausbildungsmission, die das Potenzial habe, „ausschlaggebend für den Kriegsverlauf“ zu sein. Regierungsangaben zufolge sollen dabei bis zu 10 000 Soldaten innerhalb von nur 120 Tagen ausgebildet werden können.

Großbritannien hat seit 2015 mehr als 22 000 Personen in der Ukraine für das Militär ausgebildet. Seit Beginn des Kriegs findet das Training jedoch in Nachbarländern statt.

Der Johnson-Besuch folgt auf den Besuch von Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD), Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und dem italienischen Ministerpräsidenten Mario Draghi in Kiew am Donnerstag.

Johnson, der innenpolitisch stark unter Druck steht, muss in der kommenden Woche mit empfindlichen Niederlagen bei Nachwahlen in zwei englischen Wahlkreisen rechnen. Eine Veranstaltung mit Mitgliedern seiner konservativen Partei im Nordosten Englands, ganz in der Nähe des Wahlkreises Wakefield, wo die Tories mit einer Niederlage rechnen müssen, sagte Johnson wegen der Visite in Kiew kurzfristig ab.

Denise Frommeyer

Putin: Russland behindert die ukrainischen Getreidelieferungen nicht

18:12
17.06.2022
Russland behindert nach Worten von Kremlchef Wladimir Putin nicht die Getreidelieferungen aus der Ukraine. „Nicht wir haben die Häfen vermint“, sagte der russische Präsident am Freitag auf dem Internationalen Wirtschaftsforum in St. Petersburg. Sollte Kiew sich entscheiden, die Minen zu räumen, werde Moskau die Sicherheit der Ausfuhren gewährleisten, sagte Putin.

Nach Darstellung des russischen Präsidenten sind die ukrainischen Getreidelieferungen für den Weltmarkt allerdings unbedeutend. Es gehe um fünf bis sechs Millionen Tonnen Weizen und eine etwa ebenso große Menge Mais. Das sei für den Weltmarkt unerheblich, sagte Putin. Viel größere Auswirkung auf die steigenden Lebensmittelpreise hätten die westlichen Sanktionen gegen Russland. Gerade die Ausfuhr von Düngemitteln gefährde künftige Ernten und treibe so weiter die Preise an, warnte er.

Zudem warf Putin den USA und Europa vor, den Import von Lebensmitteln gesteigert und damit die Konkurrenz um die begehrten Nahrungsmittel auf den Weltmärkten angeheizt zu haben. Das habe lange vor dem Ukraine-Krieg begonnen, den Putin „militärische Spezialoperation im Donbass“ nannte. Die Inflation bei Lebensmitteln stehe daher in keinem Zusammenhang mit dem russischen Angriff, so der 69-Jährige.

Seit Beginn des Krieges Ende Februar sitzt die Ukraine, die weltweit der viertgrößte Getreideexporteur ist, auf den eigenen Vorräten fest. Der Westen macht Moskau für die drohende Nahrungsmittelkrise in weiten Teilen der Welt verantwortlich, weil Russlands Streitkräfte die ukrainischen Häfen entweder besetzt haben oder blockieren.

Denise Frommeyer