Letztes Update:
20220612172757

Selenskyj: Kandidaten-Status für Ukraine wird auch EU stärker machen

16:02
12.06.2022
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat kurz vor wichtigen Weichenstellungen in Brüssel noch einmal für den EU-Beitritt seines Landes geworben. Er sei überzeugt, dass mit der Entscheidung über einen Kandidatenstatus für die Ukraine auch die Europäische Union gestärkt werden könne, sagte Selenskyj in seiner täglichen Videoansprache in der Nacht zum Sonntag.

EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen hatte bei einem Besuch in Kiew am Samstag angekündigt, dass die Auswertung des EU-Beitrittsantrags der Ukraine Ende der kommenden Woche abgeschlossen werde. Die Kommission soll eine Empfehlung mit Blick auf einen möglichen Beitrittskandidaten-Status für das Land abgeben - wobei eine Entscheidung darüber eine etwaige Aufnahme nicht vorwegnimmt und auch nicht mit einem Zeitrahmen verbunden ist.

Die Ansichten der EU-Staaten zu dieser Frage gehen bislang weit auseinander. Selenskyj kritisierte den teils vorhandenen Widerstand gegen die ukrainischen Beitrittspläne. „Was muss noch in Europa passieren, damit den Skeptikern klar wird, dass es Europa schadet, wenn man die Ukraine außerhalb der Europäischen Union hält“, fragte er. Die Ukraine hatte den EU-Beitritt im März beantragt - kurz nach der russischen Invasion.

Denise Frommeyer

Nemzow-Stiftung zeichnet ukrainischen Präsidenten Selenskyj aus

14:49
12.06.2022
Die nach dem ermordeten Kremlgegner Boris Nemzow benannte Stiftung hat den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj für dessen Mut im Kampf um die Freiheit des Landes ausgezeichnet. Das teilte die in Bonn ansässige und von Nemzows Tochter Schanna Nemzowa geführte Stiftung am Sonntag mit. „Zweifellos hat Wolodymyr Selenskyj unglaublichen Mut an den Tag gelegt“, sagte Nemzowa dem kremlkritischen Internetportal Meduza. Auch der 2015 in Kremlnähe erschossene Nemzow galt als großer Unterstützer einer nach Loslösung von Russland strebenden Ukraine.

Es sei nicht selbstverständlich, dass Selenskyj nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine im Land geblieben ist. Er habe tapfer an der Seite seines Volkes das Land verteidigt, habe Waffen gefordert und sich nicht um seine Sicherheit gekümmert, sagte Nemzowa. „Am bedeutendsten ist, dass das niemand von ihm erwartet hätte. Alle hatten Selenskyj doch nicht so richtig ernst genommen“, sagte sie.

„Ich denke, dass Wladimir Putin - vorsichtig ausgedrückt - erstaunt war, dass Selenskyj sich als mutiger Mensch herausstellte – und im Moment der Anführer der freien Welt ist“, sagte Nemzowa, die selbst nicht mehr in Russland lebt. Ihr Vater hatte zu den schärfsten Kritikern von Kremlchef Putin gehört, bis er erschossen wurde.

Nemzowa reagierte auch auf Kritik, wonach Selenskyj selbst schon vor dem Krieg Freiheiten eingeschränkt hatte in der Ukraine. Der große Teil seiner Politik zeuge davon, dass er sich demokratischen Werten verpflichtet fühle, sagte sie. Vor allem habe er anders als andere Präsidenten nicht einfach die Flucht ergriffen, um das eigene Leben zu retten.

Denise Frommeyer