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Kreml: Putin kritisiert Westen bei Gespräch mit EU-Ratschef Michel

14:01
22.04.2022
Der russische Präsident Wladimir Putin hat die Politik des Westens in der Ukraine bei einem Telefonat mit EU-Ratschef Charles Michel als unverantwortlich kritisiert. Es habe zuletzt Äußerungen von EU-Vertretern gegeben, die sich für eine militärische Lösung der „Situation in der Ukraine“ ausgesprochen hätten, beklagte Putin einer Mitteilung des Kremls zufolge am Freitag. Russland kritisiert auch immer wieder Waffenlieferungen des Westens an die Ukraine und betont, dass dies die Lage nur weiter eskalieren lasse.

Der Kreml-Mitteilung zufolge warf Putin Michel auch vor, der Westen ignoriere Kriegsverbrechen auf ukrainischer Seite. International steht vor allem Russland wegen schwerer Kriegsverbrechen in der Ukraine in der Kritik. Die ukrainische Regierung und US-Präsident Joe Biden werfen Putin „Völkermord“ vor. Michel, der zuvor die Ukraine besucht hatte, rief Russland zur Beendigung des Krieges auf.

Nach Kremlangaben schilderte Putin in dem Gespräch die Ziele der „militärischen Spezial-Operation“ in der Ukraine, die in Russland nicht Krieg genannt werden darf. Es gehe um den Schutz des Donbass mit den „Republiken“ Luhansk und Donezk, hieß es. Dabei sei Putin auch auf die Lage in der Hafenstadt Mariupol und das dortige Stahlwerk Azovstal eingegangen, wo sich ukrainische Kämpfer und ausländische Söldner verschanzt hätten.

Ihnen werde das Leben garantiert, wenn sie sich ergeben, teilte der Kreml weiter mit. „Aber das Kiewer Regime erlaubt es ihnen nicht, diese Chance zu ergreifen.“ Michel forderte über einen humanitären Korridor Zugang zu Mariupol und zu anderen umkämpften Städten.

Putin beklagte in dem „ausführlichen“ Gespräch zudem, dass die Führungen der meisten EU-Staaten mit ihren Handlungen eine offene „Russenfeindlichkeit“ erzeugten. Der Kreml hatte zuletzt beklagt, dass etwa Sportler ausgeschlossen würden von Wettkämpfen oder auch Künstler nicht mehr auftreten dürften.

Bereit gezeigt habe sich der russische Präsident indes zu einem Treffen mit seinem ukrainischen Kollegen Wolodymyr Selenskyj, hieß es in der Mitteilung. Allerdings müssten dafür konkrete Vereinbarungen vorbereitet seien und auf dem Tisch liegen.

Liz Mikos

Bei weißer Flagge - Russen bereit zu Feuerpause in Mariupol

13:11
22.04.2022
Das russische Militär will nach eigenen Angaben in Mariupol eine Feuerpause ausrufen und einen humanitären Korridor zum umkämpften Stahlwerk Azovstal schaffen - sollten sich die Ukrainer ergeben. Russland sei bereit, „jederzeit eine Waffenruhe zu verkünden“, um Zivilisten aus der Fabrik zu lassen, aber auch Kämpfer, „wenn sie den Wunsch äußern, ihre Waffen niederzulegen“, sagte Generaloberst Michail Misinzew vom russischen Verteidigungsministerium am Freitag. Dazu müssten die Ukrainer im Stahlwerk weiße Flaggen hissen.

Misinzew widersprach damit der ukrainischen Vizeregierungschefin Iryna Werschtschuk, die den russischen Truppen vorgeworfen hatte, die Flucht von Zivilisten zu behindern. Seit 21. März habe es täglich Feuerpausen für Flüchtlinge gegeben, behauptete der russische Offizier. „Aus Mariupol konnten so 143.631 Zivilisten und 341 Ausländer evakuiert und 1.844 ukrainische Wehrdienstleistende sicher herausgeholt werden, die sich ergeben haben.“

Im täglichen Morgenbriefing hatte zuvor Igor Konaschenkow, der Sprecher des Verteidigungsministeriums, erneut von schweren russischen Luft- und Raketenangriffen auf ukrainisches Territorium berichtet. Seinen Angaben nach hat die Luftwaffe in der Nacht 58 Objekte beschossen. Raketenstreitkräfte und Artillerie hätten sogar 1.285 gegnerische Objekte getroffen. In den meisten Fällen handelte es sich demnach um Truppenansammlungen, Militärkonvois oder Kommandopunkte.

Konaschenkow betonte zudem, dass auch wieder seebasierte Lenkraketen vom Typ Kalibr abgeschossen worden seien. Dies soll wohl die Einsatzbereitschaft der Schwarzmeerflotte dokumentieren. Vor einer Woche war das Flaggschiff der Flotte, der Raketenkreuzer „Moskwa“, nach einem Brand gesunken. Kiew erklärte damals, das Kriegsschiff mit zwei Antischiffsraketen versenkt zu haben.

Liz Mikos