Litauens Parlament hat in einer Entschließung die internationale Gemeinschaft dazu aufgefordert, die von Russland angegriffene Ukraine mit einer Vielzahl von Waffen zu beliefern. Auch schlugen die Abgeordneten des baltischen EU- und Nato-Landes vor, Russlands Vorgehen in der Ukraine nach angemessener juristischer Prüfung als Völkermord am ukrainischen Volk zu qualifizieren. Die Erklärung wurde am Dienstag einstimmig nach einer Video-Ansprache des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj angenommen.
In seiner Rede bedankte sich Selenskyj bei Litauen. „Sie gehörten zu den Ersten, die der Ukraine zu Hilfe kamen. Und Sie bleiben einer derjenigen, denen der Frieden und die Sicherheit Europas am wichtigsten sind“, sagte er. Den anwesenden litauischen Präsidenten Gitanas Nauseda lobte der ukrainische Staatschef dafür, dass er als Erster Waffenlieferungen an die Ukraine veranlasst habe. Russland hatte am 24. Februar einen Angriffskrieg gegen die Ukraine begonnen.
Nauseda bekräftigte nach der Ansprache Selenskyjs seine Forderung nach schärferen Sanktionen gegen Russland: „Wir müssen das Gaspedal voll durchtreten, da dies der einzige Weg ist, um echte Ergebnisse zu erzielen und Russland in diesem unmenschlichen Krieg zu stoppen“, sagte er der Agentur BNS zufolge. „Es ist notwendig, Entscheidungen zu treffen.“ Litauen gilt international als Fürsprecher der Ukraine.
Litauens Ministerpräsidentin Ingrida Simonyte schilderte im Parlament ihre Eindrücke von ihrer Reise in der Ukraine. Sie hatte am Montag neben der Hauptstadt Kiew auch die nordwestlich davon gelegene, stark zerstörte Kleinstadt Borodjanka besucht. „Emotional ist es sehr schwer anzusehen, aber ich bin mir sehr wohl bewusst, dass das, was ich gesehen habe, wahrscheinlich nur ein kleiner Bruchteil dessen ist, was die ersten Menschen sahen, die die Stadt betraten“, sagte die Ministerpräsidentin. „Und es ist sicherlich ein kleiner Bruchteil dessen, was die Leute, die dort waren, durchgemacht haben.“
Liz Mikos