Letztes Update:
20220217162436

Lockerung der Zuschauerbeschränkungen: Sport-Clubs können aufatmen

15:36
17.02.2022
Erleichtert blicken viele Sportvereine auf die kommenden Wochen. Seit längerer Zeit mit gar keinen bis wenigen Fans in den deutschen Arenen dürfen ab dem 4. März mit bis zu 25 000 Fans wieder zahlreiche Zuschauer in die Stadien vieler Fußballvereine strömen. «Der Beschluss bietet eine Öffnungsperspektive - und ist daher als nächster Schritt heraus aus der Pandemie hin zur Normalität sehr zu begrüßen», sagte Donata Hopfen, Geschäftsführerin der Deutsche Fußball Liga, am Donnerstag.

Nach Beschluss von Bund und Ländern dürfen ab dem 4. März Stadien bis zu 75 Prozent der Gesamtkapazität im Stadion genutzt werden. In Hallen dürfen maximal 6000 Zuschauer bei höchstens 60 Prozent Auslastung eingelassen werden.

Vom 20. März an sollen alle tiefgreifenden Schutzmaßnahmen gegen das Coronavirus fallen. Das gilt - aber weiter abhängig von der Pandemielage - auch für die Beschränkungen bei der Zulassung von Zuschauern. Trotzdem dürfen sich die Clubs wieder auf ausverkaufte Häuser freuen. «Wir gehen davon aus, dass auch Obergrenzen für Zuschauerinnen und Zuschauer in absehbarer Zeit entfallen», sagte DFL-Chefin Hopfen.

Trainer Florian Kohfeldt vom VfL Wolfsburg freute sich auf die Rückkehr: «Ganz ehrlich: Das ist das, weshalb man es macht», sagte er am Donnerstag. «In ein Stadion einzulaufen, volles Haus oder so viele Zuschauer wie möglich zu haben: Diese Stimmung ist etwas ganz Besonderes. Es gab mal eine Werbung: «Das kann man nicht kaufen!» So ist das. Das macht etwas mit uns. Wir freuen uns sehr darauf.»

In pure Dankbarkeit verfällt aber längst nicht jeder: Trainer Steffen Baumgart vom Fußball-Bundesligisten 1. FC Köln sieht die Öffnung für mehr Zuschauer als überfällig an. «Ich bin weit davon entfernt, mich bei den Leuten zu bedanken, deren Maßnahmen ich vorher schon nicht haben musste», sagte Baumgart am Donnerstag. «Ich habe nicht erlebt, dass irgendwelche Maßnahmen, sei es die Stadien zu schließen oder die Sportstätten, uns in irgendeiner Form etwas gebracht haben», erklärte der zwischenzeitlich selbst mit Corona infizierte Baumgart. «Deshalb gehe ich damit sehr kritisch um. Ich freue mich aber sehr, dass wir mit den Zuschauern wieder da hinkommen, wo wir hinwollen. Und es wäre noch schöner, wenn wir vielleicht mal absolute Klarheit hätten.»

Im Gegensatz zu den deutschen Clubs darf in der spanischen Primera Division schon bald wieder in voll besetzten Fußballstadien gespielt werden. Am 4. März sollen alle wegen der Corona-Pandemie angeordneten Zuschauer-Beschränkungen wieder aufgehoben werden.

Auch mehrere andere Verbände und Ligen wie der Deutsche Olympische Sportbund, die Deutsche Eishockey Liga (DEL) und die Basketball-Bundesliga hatten die angekündigten Corona-Lockerungen zuletzt begrüßt. Der Chef der Basketball-Bundesliga, Stefan Holz, sprach von einem «Weg in die richtige Richtung».

(dpa)

Streit über weiter nötige Corona-Absicherungen im Frühling

14:48
17.02.2022
Nach den Bund-Länder-Beschlüssen zu einem weitgehenden Ende der Corona-Beschränkungen bis zum Frühlingsbeginn entbrennt Streit über länger nötige Absicherungen. Die mitregierende FDP stellt sich gegen Forderungen der Länder und aus der Ampel-Koalition zu breiter angelegten Eingriffsmöglichkeiten für die Zeit ab dem 20. März. Die Grünen dringen dagegen auf einen weiter gefassten Maßnahmenkatalog für eine mögliche Verschlechterung der Corona-Lage, der über reine Maskenpflichten hinausgehen sollte. Die bundesweite Rechtsbasis für solche Maßnahmen läuft am 19. März aus.

FDP-Vize Johannes Vogel sagte am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur: «Die tiefgreifenden Einschränkungen müssen mit dem beginnenden Frühling enden wie in unseren europäischen Nachbarländern auch.» Dabei sei die FDP-Fraktion natürlich bereit, in der Koalition über Wünsche der Länder zu Änderungen des Infektionsschutzgesetzes zu sprechen. «Aber wir machen uns deren Wunschkatalog ausdrücklich nicht zu eigen», betonte Vogel, der auch FDP-Fraktionsgeschäftsführer ist.

FDP-Vize Wolfgang Kubicki sagte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland, die geforderten Instrumente seien «eine Verstetigung des bisherigen angstgetrieben Maßnahmenregimes». Er könne Basismaßnahmen zum Schutz vulnerabler Gruppen in entsprechenden Einrichtungen akzeptieren. Für weitergehende finde er keine Rechtfertigung mehr. FDP-Fraktionschef Christian Dürr nannte eine Verlängerung der Maskenpflicht denkbar.

Bund und Länder hatten am Mittwoch vereinbart, über den 19. März hinaus «Basisschutzmaßnahmen» zu ermöglichen. Die Länder zählen dazu unter anderem Maskenpflichten in Innenräumen, Bussen und Bahnen, Testvorgaben sowie Pflichten zum Nachweis von Impf-, Genesenen- und Teststatus. Solche Möglichkeiten seien auch für Schulen und Kitas nötig. Kanzler Olaf Scholz (SPD) hatte zugesichert, er werde sich dafür verwenden, dass Regelungen zu Masken, Abstand und anderen Schutzmaßnahmen im Gesetzgebungsprozess aufgegriffen werden.

Der Grünen-Gesundheitsexperte Janosch Dahmen sagte der dpa: «Die aktuelle Lage erlaubt Lockerungen, aber keinen Leichtsinn. Eine Trendumkehr ist jederzeit möglich.» Die Länder bräuchten daher für den Frühling einen flexiblen Maßnahmenkatalog - und für regionale Corona-Ausbrüche ein breites Instrumentarium. «Die Maskenpflicht allein reicht dafür nicht aus.» Auch Zugangsbeschränkungen müssten dann schnell reaktiviert werden können. Insgesamt sei es richtig, mit einem Stufenplan für Planbarkeit und Perspektive zu sorgen. Parameter wie die Hospitalisierungsrate oder die Anzahl der betreibbaren Betten blieben für die Umsetzung der Öffnungsschritte entscheidend.

Die Sieben-Tage-Inzidenz ging laut Robert Koch-Institut (RKI) erneut auf nun 1385,1 zurück - nach 1401,0 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner in sieben Tagen am Vortag. Die Gesundheitsämter meldeten 235 626 neue Fälle an einem Tag. Experten gehen derzeit aber von einer hohen Zahl von Fällen aus, die nicht amtlich erfasst sind.

Städtetag-Präsident Markus Lewe (CDU) sagte den Zeitungen der Funke-Mediengruppe, es müsse jetzt schnell geklärt werden, dass «der gesamte Instrumentenkasten» auch nach dem 19. März zu Verfügung stehe. Der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, forderte, verletzliche Bevölkerungsgruppen müssten weiter geschützt werden. «Für staatliche Maßnahmen braucht es deshalb weiterhin eine wirksame gesetzliche Ermächtigung anstelle eines liberalen Aktionismus», sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.

Bundesbildungsministerin Bettina Stark-Watzinger (FDP) sagt der dpa: «Lockerungen in den Schulen müssen kommen. Aber wir sollten behutsam sein, um den Präsenzunterricht nicht durch steigende Infektionszahlen zu gefährden.» Bei deutlich sinkenden Corona-Zahlen sollte «regional differenziert und unter Berücksichtigung der Impfquote von Kindern und Jugendlichen» gelockert werden. «Dabei geht es zum Beispiel um ein reduziertes Testen und das Abnehmen der Maske am Platz. Wir müssen den Kindern den Weg zurück in die Normalität ebnen.»

(dpa)

Möchten Sie alle externen Inhalte laden?
Datenschutzerklärung
Inhalt laden