In der Debatte über die Einführung einer Impfpflicht für Beschäftigte in Kliniken und in der Pflege fordert auch die Linksfraktion Nachbesserungen.
Fraktionschef Dietmar Bartsch sagte der «Neuen Osnabrücker Zeitung» (Donnerstag): «Mit dem Kopf durch die Wand ist immer schlecht. Wir brauchen aktuell ein Prüfmoratorium.» Die Erarbeitung des Gesetzes sei getrieben gewesen «vom Aktionismus der Ampel». Eine Reihe rechtlicher Fragen sei offen.
Der Schutz besonders gefährdeter Gruppen habe oberste Priorität, «aber diese Impfpflicht verhindert keine Ansteckung, sondern kann die Personalnot weiter verstärken», warnte Bartsch.
Der Linke-Politiker kritisierte gleichwohl den bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder, der eine Aussetzung des Vollzugs der ab Mitte März greifenden einrichtungsbezogenen Impfpflicht angekündigt hatte. Sie sei in der jetzigen Form nicht umsetzbar, der Bund müsse nachbessern, sagte der CSU-Chef.
Bartsch nannte Söders Ankündigung «staatspolitisch inakzeptabel». «Was die Union macht, ist demokratieschädlich. Erst Gesetze erlassen und sie dann feige umgehen.» Bartsch wies darauf hin, dass seine Fraktion der einrichtungsbezogenen Impfpflicht im Gegensatz zur Union nicht zugestimmt habe.
Anhaltender Kritik sieht sich Söder auch seitens der SPD und der Grünen gegenüber. «Markus Söder offenbart ein verantwortungsloses Staatsverständnis, wenn er Gesetze, die er sogar selbst beschlossen hat, missachten will», sagte SPD-Fraktionschef Rolf Mützenich dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND/Donnerstag). «Nicht weniger schlimm ist, dass wichtige Teile der Union ihm dabei auch noch folgen wollen», fügte Mützenich hinzu. «Sie setzen damit das Vertrauen in demokratische Grundsätze aufs Spiel.»
Die Parlamentarische Geschäftsführerin der Grünen-Fraktion, Irene Mihalic, warf Söder vor, die Corona-Krise parteipolitisch zu instrumentalisieren. Der CSU-Chef lasse «in dieser Notzeit einmal mehr Verlässlichkeit und Verantwortungsbewusstsein gegenüber den Menschen vermissen, die besonders gefährdet sind», sagte sie dem RND. Das sei mit Recht und Gesetz nicht vereinbar.