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Tschechien hält an strengen Corona-Einreiseregeln fest

15:15
08.02.2022
Obwohl die liberalkonservative Regierung in Tschechien die Corona-Regeln lockert, sind bei den strikten Einreisebestimmungen derzeit keine Änderungen geplant. Ein Sprecher des Gesundheitsministeriums begründete das am Dienstag damit, dass zurzeit fast alle Länder Europas auf der sogenannten «Corona-Ampel» der roten Kategorie zugeordnet sind.

Ausländische Touristen müssen bei der Einreise weiterhin ein negatives PCR-Testergebnis vorweisen. Das gilt selbst für Geimpfte, solange sie keine Auffrischimpfung gegen Covid-19 erhalten haben. Für Ungeimpfte ist zudem ein zweiter Test im Abstand von fünf bis sieben Tagen nach der Ankunft verpflichtend. Für Kinder gelten teils abweichende Regeln.

Das Oberste Verwaltungsgericht Tschechiens hatte vor kurzem die 2G-Regel (geimpft oder genesen) im Beherbergungs- und Gaststättenwesen gekippt. Das Urteil soll am Donnerstag in Kraft treten. Es wird erwartet, dass das Kabinett die 2G-Regel auch in anderen Bereichen wie bei Sport- und Kulturveranstaltungen abschafft.

Tschechien merkt die Auswirkungen der Omikron-Welle. Innerhalb von sieben Tagen gab es nach offiziellen Zahlen 2145 Corona-Neuinfektionen je 100 000 Einwohner. Zum Vergleich: In Deutschland liegt die 7-Tage-Inzidenz zurzeit bei 1441.

(dpa)

Lauterbach gegen Söder - Gesundheitsminister pocht auf Impfpflicht

14:52
08.02.2022
Im Streit um die Impfpflicht für Pflege- und Klinikpersonal pocht Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) gegen den Willen Bayerns und der CDU auf Vollzug durch die Länder. «Das Gesetz gilt, und wir werden mit allen daran arbeiten, Umsetzungsmöglichkeiten zu erleichtern», sagte Lauterbach am Dienstag in Berlin. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hatte eine Aussetzung des Vollzugs angekündigt. Die CDU nannte das von ihr im Bundestag vor einem Monat mitbeschlossene Gesetz derzeit kaum umsetzbar. Zugleich riefen Lauterbach und der Chef des Robert Koch-Instituts, Lothar Wieler, die Bevölkerung auf, die derzeitigen Infektionsschutz-Maßnahmen vorerst weiter mitzutragen.

Lauterbach warf Söder indirekt vor, Konflikten mit den Gegnern der einrichtungsbezogenen Impfpflicht aus dem Weg gehen zu wollen. «Das ist eine unbeliebte Vollzugsmaßnahme, die dazu führt, dass in einigen Bundesländern zeitweise Personal ausfällt», sagte er. «Das macht niemand gerne. Und diesem Konflikt will man offenbar auszuweichen, weil man glaubt, die Omikronvariante ist so harmlos, dass man das nicht mehr braucht.» Dies sei aber abwegig.

Verhärtete Fronten bei der Einrichtungs-Impfpflicht:

Lauterbach sieht in dem Streit «nicht wirklich viele Kompromisslinien». «Entweder gilt das Gesetz auch für Bayern oder das Gesetz gilt nicht.» Es gehe um den Schutz der besonders verletzlichen Menschen, die den Beschäftigten anvertraut seien. Rückendeckung für Söder kam von der Präsidentin des Deutschen Roten Kreuzes, Gerda Hasselfeldt. «Wenn so eine Entscheidung getroffen wird, müssen auch die Vollzugsfragen geklärt sein», sagte die frühere Vorsitzende der CSU-Landesgruppe im Inforadio vom rbb.

Söder verteidigte das Vorgehen des Freistaats. Bayern stehe zur einrichtungsbezogenen Impfpflicht, sie sei aber in der jetzigen Form nicht umsetzbar, sagte der CSU-Chef am Dienstag in München. Der Bund müsse «nachbessern und nachlegen», damit sie auch für die Länder und für die Einrichtungen umsetzbar sei. Söder betonte, Kommunen und Einrichtungen würden Alarm schlagen, es gebe eine tiefe Besorgnis, wie die Vorgaben umgesetzt werden sollten inklusive einer Reihe von arbeitsrechtlichen Fragen. «So jedenfalls wie jetzt endet es im Chaos und schadet dem gesamten bemühen zu impfen», sagte er. Bayern werde deshalb alle Spielräume nutzen, die Umsetzung «vorläufig» auszusetzen.

Der CDU-Gesundheitsexperte Tino Sorge sagte der «Bild»-Zeitung: «Die Bundesregierung muss einsehen, dass die einrichtungsbezogene Impfpflicht im Moment kaum umsetzbar ist.» CDU-Chef Friedrich Merz hatte die Aussetzung in ganz Deutschland gefordert: Die CDU habe im Bundestag in der Annahme zugestimmt, dass die Probleme gelöst werden könnten. Die Parlamentarische Geschäftsführerin der SPD-Fraktion, Katja Mast, warf Söder und Merz parteipolitische Spielchen auf dem Rücken der verletzlichsten Gruppen vor. Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) äußerte sein Unverständnis über die Aussetzung in Bayern. Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) forderte von der Bundesregierung umgehend konkrete Vorgaben zur Umsetzung.

Spielraum bei der Umsetzung:

Lauterbach stellte fest, der Vollzug des Gesetzes sei Ländersache. Der Bund könne Hilfestellung bieten, etwa Musterbenachrichtigungen für Gesundheitsämter, mit denen sie die betroffenen Beschäftigten anschreiben könnten. «Aber ganz konkrete Anfragen habe ich weder aus Bayern noch von der CDU gesehen.» Eine Frist zur Umsetzung, die verlängert werden könnte, sehe das Gesetz nicht vor.

Laut Infektionsschutzgesetz müssen die Beschäftigten bis zum 15. März ihrem Arbeitgeber einen Impf- oder Genesenennachweis vorlegen oder ein Attest, dass sie nicht geimpft werden können. Laut Lauterbach gibt es keine zeitlichen Vorgaben für den weiteren Prozess: Nachdem die Einrichtungen dem Gesundheitsamt Beschäftigte ohne Nachweis genannt haben, fordert das Amt die Betroffenen zunächst zur Vorlage auf - und «kann» am Ende ein Betretungs- oder Tätigkeitsverbot aussprechen. Dabei hat das Amt Ermessensspielraum.

Prognose zum weiteren Verlauf der Pandemie:

Wieler sagte den Höhepunkt der Omikronwelle «in wenigen Wochen» voraus. «Und dann wird man lockern», so der RKI-Präsident. Derzeit befinde sich das Land vor einem Wendepunkt. «In wenigen Wochen haben wir die Omikron-Welle überstanden. Bleiben wir ruhig und achtsam und aufmerksam. Und dann können wir uns entspannt auf Ostern freuen.» Derzeit gebe es bei den Klinikeinweisungen einen leichten Anstieg und insbesondere bei den auf den Intensivstationen behandelten Kranken «eine leichte Trendumkehr» nach oben.

Lauterbach sagte, die Lage sei noch nicht unter Kontrolle. «Wir können breite Lockerungen, wie sie derzeit diskutiert werden zum jetzigen Zeitpunkt nicht vertreten.» Schnelle Öffnungen könnten die Welle deutlich verlängern. Er wies auf viele ungeimpfte Ältere hin. Aber: «Wir werden natürlich deutlich vor Ostern öffnen können.»

Risiko neuer Varianten:

Lauterbach betonte, dass jederzeit neue Corona-Varianten aufkommen könnten - auch unabhängig des aktuellen Omikron-Verlaufs. «Es ist nicht so, dass das aufeinander aufbaut.» Nach der erwarteten Entspannung in Frühjahr und Sommer solle ein Rückfall mit Omikron oder anderen Varianten verhindert werden - dafür brauche es angesichts vieler Ungeimpfter eine allgemeine Impfpflicht. Er erwarte in dieser Woche Gesetzentwürfe aus dem Bundestag.

PCR-Tests nach positivem Schnelltest:

Die Bürgerinnen und Bürger sollen nach einem positiven Corona-Schnelltest auch weiter Anspruch auf PCR-Nachtestung haben. Lauterbach sprach von einer «Veränderung der Position». Geplant ist nun etwa, dass man nach einer roten Warnmeldung auf der Corona-Warn-App und einem positiven Antigentest den PCR-Test erhält. Nach Lauterbachs Angaben würde die vorhandene Kapazität bei PCR-Tests auch bei täglich bis zu 450 000 Corona-Neuinfektionen reichen. «Und ich glaube, dass wir das nicht erreichen werden.» In einem Entwurf für eine Änderung der Corona-Testverordnung, der vor wenigen Tagen bekannt wurde, war noch geplant, den Anspruch zur Nachtestung nach positivem Schnelltest zunächst auszusetzen.

Rückendeckung für Wieler:

Nach Kritik aus der FDP an dem RKI-Chef sagte Lauterbach: «Herr Wieler hat mein volles Vertrauen.» Wieler sagte: «Ich habe heute Geburtstag, ich habe das Glück, jetzt mit Ihnen hier meinen 61. Geburtstag zu verbringen - was kann es denn Angenehmeres geben, wir sind uns doch so sehr ans Herz gewachsen.» Der FDP-Vorsitzende Christian Lindner bekräftigte hingegen die Kritik. Er habe «große Zweifel» an der überraschenden RKI-Entscheidung zur Verkürzung des Genesenenstatus, sagte Lindner am Montagabend bei «RTL Direkt». «Die fachliche und die Kommunikations-Entscheidung lag in den Händen von Herrn Wieler und ich glaube, man darf sagen, dass das außerordentlich unglücklich war.» Das RKI hatte den Genesenenstatus im Januar von sechs auf drei Monate verkürzt.

(dpa)

Bulgarien: 3300 gefälschte Corona-Impfzertifikate sichergestellt

14:51
08.02.2022
In Bulgariens Hauptstadt Sofia sind bei einer Polizeiaktion 3300 gefälschte Corona-Impfzertifikate sichergestellt worden. 300 von ihnen wurden auf Namen von Ausländern ausgestellt, wie das Innenministerium am Dienstag mitteilte. Die Razzia in einem medizinischen Zentrum in Sofia wurde von Polizeiaktionen auch in anderen Städten begleitet.

Das südöstliche EU-Land Bulgarien steckt inmitten einer fünften Corona-Welle, auch dort sorgt die Omikron-Variante für zig Ansteckungen. «Wir befinden uns nun auf dem Plateau des Gipfels», erläuterte am Dienstag die Direktorin des Zentrums für ansteckende und parasitäre Krankheiten in Sofia, Iwa Hristowa. Binnen 24 Stunden gab es nach Angaben von Dienstag 8012 Corona-Neuinfektionen - bei einer Einwohnerzahl von 6,5 Millionen. Mit knapp 30 Prozent Geimpften bleibt Bulgarien weiter EU-Schlusslicht in dieser Rangliste.

(dpa)

Corona-Hilfen werden wohl abermals verlängert

14:47
08.02.2022
Corona-Hilfen für Unternehmen, deren Geschäfte noch immer unter den Folgen der Pandemie ächzen, werden aller Voraussicht nach verlängert. Die Wirtschaftsminister der Länder und Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) sprachen sich am Dienstag nach einem Online-Treffen dafür aus, die bisher bis Ende März laufende Überbrückungshilfe IV um drei Monate zu verlängern. «Die Verlängerung wird aller Wahrscheinlichkeit nach kommen», sagte der amtierende Vorsitzende der Wirtschaftsministerkonferenz, Nordrhein-Westfalens Ressortchef Andreas Pinkwart (FDP). Das Geld kommt vom Bund, das finale Wort der Bundesregierung steht noch aus.

«Die Situation mancher Branchen ist seit knapp zwei Jahren äußerst angespannt, das ist uns allen sehr bewusst», sagte Pinkwart. «Vor allen Dingen leidet der Handel und es leiden auch die Gastronomie und Hotellerie in unserem Land.» Habeck teilte mit, dass er sich in der Bundesregierung für eine Verlängerung bis Ende Juni einsetzen werde - das wäre «eine sinnvolle Option», so der Grünen-Politiker. Ihm sei es wichtig, «unseren Unternehmen und Beschäftigen in der aktuellen Corona-Krise weiter Sicherheit zu geben». Die genauen Programmbedingungen würden nun in der Bundesregierung zügig abgestimmt, so Habeck.

Anspruch auf die Hilfen haben Unternehmen und Solo-Selbstständige, deren Umsatz im Vergleich zum gleichen Zeitraum im Vor-Corona-Jahr 2019 um mindestens 30 Prozent niedriger ist. Zudem setzen sich die Wirtschaftsminister für weitere Erleichterungen für die Firmen ein, etwa die Anhebung von beihilferechtlichen Höchstbeträgen und ein höherer Eigenkapital-Zuschuss. «Wir müssen alles dafür tun, damit die Betriebe jetzt in den "Restart" kommen», sagte der Liberale Pinkwart. KfW-Kredite sollen zudem erst später getilgt werden müssen, damit fällige Kreditraten Firmen nicht das Wasser abgraben, wenn sie allmählich in die Gänge kommen.

Der Wirtschaftsminister von Schleswig-Holstein, Bernd Buchholz (FDP), war zwar ebenfalls für die Verlängerung, mahnte aber ein absehbares Ende der staatlichen Hilfen an. Am Rande der Sitzung wies er darauf hin, dass die Finanzhilfen falsche Impulse setzen könnten. «Es gibt diese Fehlanreize: zu sagen, "Dann mache ich lieber vier Tage dicht und senke den Umsatz, weil ich dadurch noch Überbrückungshilfe bekomme".» Solche Fehlanreize müssten «in der nächsten Phase der Pandemiebekämpfung überwunden werden». Es müsse in absehbarer Zeit nicht nur ein Ausstieg aus den Corona-Beschränkungen, sondern auch ein Ausstieg aus den Corona-Hilfen stattfinden, so Buchholz.

Die Hoffnung auf ein baldiges Ende der Corona-Krise brachten auch andere Politiker zum Ausdruck. Der Vorsitzende der Wirtschaftsministerkonferenz, Pinkwart, mahnte «einen Weg aus den Beschränkungen in den nächsten Wochen» an. «Öffnungsperspektiven dürfen in Zukunft nicht nur Perspektiven bleiben, sondern wir müssen sie Wirklichkeit werden lassen.» Man müsse die Unternehmen «in die Lage versetzen, aus eigener Kraft Umsätze zu erzielen».

Laut Bundeswirtschaftsministerium haben bisher mehr als 7600 Unternehmen Überbrückungshilfe IV beantragt und kommen dabei auf ein Volumen von rund 371 Millionen Euro. Hinzu kommen 37 700 Anträge von Solo-Selbstständigen im Rahmen der Neustarthilfe mit einem beantragten Volumen von 136 Millionen Euro.

(dpa)

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