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Drosten warnt vor zu früher Durchseuchung

14:01
14.01.2022
Der Virologe Christian Drosten warnt angesichts der sich rasch verbreitenden Omikron-Variante des Coronavirus vor einer zu frühen Durchseuchung in Deutschland. Die Virusvariante sei zwar nach derzeitigem Kenntnisstand milder im Verlauf, weil es aber zu viele Fälle seien, werde dieser Gewinn «wieder ausgelöscht», sagte der Wissenschaftler von der Berliner Charité am Freitag in Berlin. Noch gebe es deutlich zu viele ungeimpfte Menschen in Deutschland, besonders auch in der Gruppe der Über-60-Jährigen. Viele Menschen hätten zudem noch keine Auffrischimpfung erhalten, die aber das wirkungsvollste Mittel im Kampf gegen Omikron sei, so Drosten.

Der Virologe sprach von mehreren «schwierigen Doppelbotschaften» in der derzeitigen Diskussion. So gelte als sicher, dass das Virus selbst die Immunität der Bevölkerung immer wieder «updaten» und irgendwann «laufen» müsse. «Wir wissen aber im Moment nicht, ob wir uns das in Deutschland leisten können angesichts der Impflücken», warnte Drosten. «Da sind wir ein bisschen im Blindflug.»

Er ging davon aus, dass die endemische Lage bis Jahresende weitgehend erreicht sei. Er stellte in Aussicht, dass gegen die Omikron-Variante wahrscheinlich noch einmal bei der Impfung nachgesteuert werden müsse. «Es wird eine angepasste Impfung geben müssen, und wir werden möglicherweise dann ab dem zweiten Quartal große Teile der Bevölkerung, vielleicht sogar alle, noch einmal mit einer Update-Impfung gegen Omikron versehen müssen.» Drosten bekräftigte seinen Appell an Ungeimpfte, sich dringend immunisieren zu lassen.

(dpa)

Lauterbach sieht vorerst keinen Anlass für schärfere Corona-Auflagen

14:01
14.01.2022
Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach sieht in der Corona-Krise vorerst keinen Anlass für zusätzliche Verschärfungen von Alltagsbeschränkungen. Aus seiner Sicht sei zur jetzigen Zeit «das richtige Maßnahmenpaket am Platz», sagte der SPD-Politiker am Freitag in Berlin. Sollten die Fallzahlen aber noch deutlich steigen und eine Überlastung der medizinischen Versorgung zu erwarten sein, müsse auch mit anderen Maßnahmen gegengesteuert werden. «An dem Punkt sind wir nicht.» Noch könne man der Welle mit der neuen Omikron-Variante auch mit beschleunigten Auffrischimpfungen Herr werden. Nötig seien aber Kontrollen und flächendeckende Umsetzung bestehender Beschränkungen.

Der Minister erläuterte, dass die Kapazitäten für PCR-Labortests sich der «Volllast» näherten. Mangel gebe es derzeit nicht. Mit Blick auf Freitestungen aus der Quarantäne habe er nun veranlasst, dass es für Gesundheitspersonal einen Vorrang bei der PCR-Test-Auswertung in den Laboren gebe. Der Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler, machte deutlich, dass im Fall einer hundertprozentigen Omikron-Welle nicht mehr so wichtig sei, die genaue Virusvariante zu überprüfen. Der Testeinsatz ändere sich generell kontinuierlich, Fachleute wüssten, wie man damit umgehe. Wenn eine Kapazitätsgrenze erreicht sei, dann fokussiere man den Einsatz.

(dpa)

Epidemiologe Zeeb schließt weitere Corona-Wellen nicht aus

14:01
14.01.2022
Der Bremer Epidemiologe Hajo Zeeb schließt weitere Wellen des Coronavirus nicht aus. «Wir müssen halt immer darauf gefasst sein, dass sich Varianten ergeben, die uns einen Strich durch die Rechnung machen», sagte Zeeb der Deutschen Presse-Agentur. Dass sich Corona mit dem Auslaufen der derzeit grassierenden Omikron-Variante ähnlich wie die gewöhnliche Grippe verhalte, sei nur eine der möglichen Entwicklungen. «Auf jeden Fall ist es nicht das ausschließliche Szenario», sagte er am Freitag.

Zwar werde der Prozess durch die Omikron-Welle beschleunigt. Nach deren Höhepunkt werde es einen sehr hohen Anteil an Menschen geben, die nach Impfung oder Infektion immun seien. «Insofern ist das schon ein beschleunigter Weg in die endemische Situation», sagte der Mediziner vom Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie (BIPS).

Bei möglichen neuen Varianten sei biologisch eher auszuschließen, dass sie noch ansteckender werden als Omikron. «Aber mit der gleichen Infektiosität und dann ungünstigere klinische Parameter, das kann es schon geben», sagte Zeeb. Ungünstig sei die derzeitige Ansteckung so vieler Menschen zugleich. «Damit ist die Wahrscheinlichkeit einfach statistisch schon höher, dass sich neue Varianten entwickeln können.»

In diesem Zusammenhang stellt Zeeb auch die Debatte über eine Impfpflicht. Für die Varianten Delta und Omikron komme sie zu spät. «Diese Welle läuft mit den Maßnahmen, die wir jetzt haben. Das heißt, was diskutiert wird, geht in die Zukunft», sagte Zeeb. «Wir sehen, dass wir wahrscheinlich weitere Impfungen brauchen.» Notwendig sei eine hohe Impfrate. Eine Impfpflicht sei aber nur ein Weg, diese rasch zu erreichen. Ein anderer möglicher Weg liege in weit gestreuten, niedrigschwelligen Impfangeboten. Diese Diskussion gehe aber über die Epidemiologie hinaus.

Angesichts der raschen Folge von Delta- und Omikron-Welle mahnte Zeeb Genesene zur Vorsicht. «Es ist auf jeden Fall so, dass die das Risiko haben, noch mal zu erkranken», sagte er. Omikron sei «fast ein anderes Virus». Das Risiko für Genesene, sich kurz nach einer Delta-Infektion auch noch mit Omikron anzustecken, sei höher als für Menschen mit einer Auffrischungsimpfung.

(dpa)

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