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20220113100048

Industrie nur mit verhaltener Zuversicht - kein «Post-Corona-Boom»

09:58
13.01.2022
Der wirtschaftliche Aufschwung in Deutschland kommt aus Sicht der Industrie nicht richtig in Fahrt. Industriepräsident Siegfried Russwurm sagte am Donnerstag in Berlin, zwar seien die Auftragsbücher voll. Die Produktion halte jedoch nicht mit der
Nachfrage Schritt. Pandemiebedingte Einschränkungen und Lieferengpässe beeinträchtigten große Teile der Wirtschaft. Der Wirtschaft drohe ein weiteres «Stop-and-Go-Jahr».

Viele Betriebe in der Automobil-, der Elektroindustrie oder im Maschinenbau leiden unter Lieferengpässen, wie es hieß. Diese bremsten die industrielle Wertschöpfung in den Jahren 2021 und 2022 um jeweils mehr als 50 Milliarden Euro aus. Fehlende Mikrochips, Bauteile und Rohstoffe würden die Produktion noch längere Zeit beeinträchtigen.

Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) blicke mit «verhaltener Zuversicht» auf die wirtschaftliche Erholung. Der BDI rechnet mit einem Wirtschaftswachstum in diesem Jahr von 3,5 Prozent, nach 2,5 Prozent im vergangenen Jahr. Die deutschen Exporte legen laut Prognose um vier Prozent zu, und damit gerade einmal halb so viel wie im vergangenen Jahr.

Der BDI erwartet weiter einen Produktionsanstieg in der Industrie von viereinhalb Prozent. Dann liege das Produktionsniveau insgesamt im Jahr 2022 aber noch um rund sechs Prozent unter dem Niveau 2018 - auch, weil die industrielle Produktion schon 2019 und damit vor Corona rückläufig gewesen sei.

Selten aber sei ein Jahresausblick mit so viel Unsicherheit behaftet gewesen. Russwurm sagte, die Pandemie sei immer noch das bestimmende Thema. Der erhoffte «Post-Corona-Boom» bleibe aus. Eine Erholung werde sich bis zum Sommer hinauszögern, dies sei aber ein eher optimistisches Szenario.

Die Industrie forderte die Politik zum Handeln auf. Hohe Energiekosten, schleppender digitaler Wandel, mangelnde Infrastruktur-Investitionen und hohe Steuern machten den Standort immer weniger attraktiv für Unternehmen aus dem In- und Ausland.

(dpa)

Kretschmann sieht in Pandemie weiter großen Rückhalt in Bevölkerung

08:59
13.01.2022
Ministerpräsident Winfried Kretschmann hat nicht den Eindruck, die Menschen mit seiner Corona-Politik nicht mehr zu erreichen. Es seien vielleicht etwas mehr Menschen, die nun auf die Straße gingen, aber immer noch sehr wenige, sagte der Grünen-Politiker dem SWR.

80 Prozent der Menschen ab zwölf Jahren seien geimpft, die große Mehrheit der Bevölkerung. Dass es Protest und Kritik gebe, sei völlig legitim, solange die Menschen friedlich blieben und sich nicht von Hass und Hetze leiten ließen.

Kretschmann rechtfertige zudem, warum derzeit in Baden-Württemberg - im Gegensatz zu Bayern - etwa in Geschäften eine Pflicht zum Tragen einer FFP2-Maske gilt, in Bussen und Bahnen aber bislang OP-Masken reichen.

Für die Supermärkte sei das Land zuständig, für den öffentlichen Nahverkehr der Bund, sagte er. «Wir sind davon ausgegangen, dass wir das nicht können, weil der Bund diese Regelung an sich gezogen hat.» Das sei die Rechtsauslegung des Landes gewesen. Bayern habe das offenbar anders ausgelegt.

Obwohl in den baden-württembergischen Alten- und Pflegeheimen bislang deutlich weniger Menschen eine Auffrischungsimpfung erhalten haben als gehofft, verteidigte Kretschmann die Booster-Kampagne des Landes. Jeder, der sich impfen lassen wolle, könne das machen. Wenn man zu viele Regelungen mache, werde es wieder kompliziert, dann gäbe es lange Schlangen.

(dpa)

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