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20211020074832

Umfrage: Mehrheit für Ende von bundesweiter Corona-Notlage

07:48
20.10.2021
Die Mehrheit der Bevölkerung ist einer Umfrage zufolge dafür, den seit eineinhalb Jahren geltenden bundesweiten Corona-Ausnahmezustand auslaufen zu lassen - aber gleichzeitig Schutzmaßnahmen weiter aufrechtzuerhalten. 57 Prozent würden es laut einer am Mittwoch veröffentlichten repräsentativen Yougov-Befragung befürworten, wenn die sogenannte epidemische Lage nationaler Tragweite ab Ende November unter fortbestehender Einhaltung von 3G-, Hygiene- und Abstandsregeln nicht mehr verlängert würde. 27 Prozent würden das ablehnen, 16 Prozent machten keine Angabe.

Die Zustimmung für ein Auslaufen der «epidemischen Lage» liegt bei jungen Erwachsenen zwischen 18 und 24 Jahren am höchsten (79 Prozent) und ist im Osten höher (61 Prozent) als im Westen (56 Prozent). Männer sind eher für ein Ende des bundesweiten Ausnahmezustands (62 Prozent) als Frauen (51 Prozent).

Die «epidemische Lage nationaler Tragweite» muss regelmäßig vom Bundestag festgestellt werden. Sie ist Grundlage für Verordnungen und zentrale Corona-Maßnahmen in Deutschland. Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte sich dafür ausgesprochen, sie nicht noch einmal zu verlängern und zum 25. November auslaufen zu lassen. Er sprach sich aber gleichzeitig dafür aus, Schutzmaßnahmen wie 3G beizubehalten. Seitdem wird kontrovers darüber diskutiert, ob ein solches Vorgehen richtig oder riskant wäre.

(dpa)

Infektiologe mahnt zur Vorsicht: Noch Millionen Ungeimpfte

06:10
20.10.2021
Der Düsseldorfer Infektiologe Tom Lüdde hat in der Debatte um eine Beendigung der Corona-Notlage in Deutschland zur Vorsicht gemahnt. Es gebe noch Millionen von Ungeimpften, darunter drei bis vier Millionen Menschen mit Risikofaktoren für einen schweren Verlauf, sagte der Direktor der Klinik für Infektiologie an der Uniklinik Düsseldorf der «Kölnischen Rundschau» (Mittwochausgabe). Durch saisonale Effekte in Herbst und Winter begünstigt, könne eine rasch ablaufende Covid-19-Welle zu zahlreichen Toten führen und die Krankenhäuser erneut an ihre Grenzen bringen.

Für einen «Freedom Day» wäre es jedenfalls zu früh, betonte der Mediziner. Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) will die sogenannte epidemische Lage nationaler Tragweite - Grundlage für Verordnungen und zentrale Corona-Maßnahmen - Ende November auslaufen lassen. Es soll aber bei Maßnahmen wie Abstands- und Hygieneregeln bleiben und handelt sich nicht um einen «Freedom Day». Der Begriff stammt aus England, wo am 19. Juli die Corona-Maßnahmen weitgehend aufgehoben worden waren. Einige Experten warnen allerdings, dass die Bevölkerung das Auslaufen der bundesweiten Corona-Notlage als «Freedom Day» verstehen könnte.

Lüdde sagte, es sei zu früh, Covid-19 «freien Lauf» zu lassen. Durch die Delta-Variante sei das Risiko für Ungeimpfte noch gestiegen. Die wachsende Zahl von Impfdurchbrüchen sei nicht überraschend. Schwere Verläufe gebe es ganz überwiegend bei schwer vorerkrankten, hochaltrigen oder immungeschwächten Menschen. Impfungen verhinderten mit hoher Wahrscheinlichkeit schwere Verläufe.

(dpa)

EU-Gesundheitsbehörde: Ohne höhere Impfzahlen wird es nicht gehen

04:31
20.10.2021
Die EU-Gesundheitsbehörde ECDC hält eine hohe Impfquote weiter für besonders wichtig vor der Lockerung von Corona-Maßnahmen. «Solange nicht über 80 Prozent der Menschen voll geimpft sind, besteht einfach die Möglichkeit, dass der Rest der Bevölkerung von dem Virus noch befallen wird», sagte ECDC-Direktorin Andrea Ammon in einem Interview des vom AOK-Bundesverband herausgegebenen Magazins «Gesundheit und Gesellschaft» (G+G).

Eine Impfpflicht betrachtet die deutsche Medizinerin dennoch mit Skepsis. Viele Länder hätten auch ohne eine solche Pflicht hohe Impfquoten erreicht. «Eine Impfpflicht, etwa für bestimmte Berufe, ist eine Möglichkeit. Aber sie ist kein Zauberstab.»

Die Lockdowns hätten die Fallzahlen stark gesenkt, jedoch auch wirtschaftliche, soziale und psychische Folgen gehabt, sagte Ammon. Auch deshalb seien sie kein Allheilmittel. «Meiner Ansicht nach gibt es für die Zukunft weniger eingreifende Möglichkeiten, Barrieren für das Virus zu schaffen und Distanz aufzubauen, die zuerst in Betracht gezogen werden sollten», sagte die ECDC-Chefin. «Dazu gehören der Gebrauch von Masken, das Abstandhalten und die Reduzierung der Anzahl der Menschen in Innenräumen.»

Ob Europa aufgrund der Corona-Krise besser gerüstet sei für künftige Pandemien, lasse sich schwer sagen. «Klar ist: Unsere Vorbereitung war nicht optimal. Da muss jetzt genau hingeschaut werden, damit es beim nächsten Mal besser läuft.»

Die Menschheit werde auf Dauer mit dem Coronavirus leben müssen. «Ich glaube schon, dass Corona nicht verschwinden wird. Wir müssen daher einen Weg finden, wie wir dieses Virus in den Ablauf des täglichen Lebens integrieren», sagte Ammon. Die Zahl der Geimpften müsse dazu europaweit gesteigert werden. «Anders wird es nicht gehen.»

Das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) hat seinen Sitz in Stockholm. Ammon, die das ECDC seit 2017 leitet, hat zuvor in verschiedenen Positionen am Robert Koch-Institut (RKI) in Berlin gearbeitet.

(dpa)

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