Bundesgesundheitsminister Jens Spahn lehnt trotz der stockenden Corona-Impfungen eine Impfpflicht weiter ab. «Ich war, bin und bleibe der Überzeugung, dass eine verpflichtende Impfung nicht die beste Lösung ist. Denn sie spaltet», sagte der CDU-Politiker dem Magazin «Der Spiegel». Er warb erneut für Impfungen als den «besseren Weg», eigene Immunität zu erreichen. Großbritannien etwa habe sich eine hohe Immunität der Bevölkerung durch viele Infizierte und hohe Todeszahlen erkauft. «Überträgt man die britische Pandemiepolitik auf Deutschland, hätten wir 100 000 Tote mehr gehabt, also mehr als doppelt so viele. Das ist nicht der Weg, den ich gehen möchte.»
Vollständig mit der meist nötigen zweiten Spritze geimpft sind in Deutschland nach Ministeriumsangaben von Freitag knapp 50,8 Millionen Menschen oder 61 Prozent der Gesamtbevölkerung. Inzwischen sind in zehn der 16 Bundesländer mindestens 60 Prozent der Einwohner voll geimpft. Mindestens eine erste Impfung bekommen haben bundesweit nun 54,5 Millionen Menschen oder 65,6 Prozent der Gesamtbevölkerung.
Spahn rief zu Impfungen auch aus Fürsorge für Kinder unter 12 Jahren auf, die sich nicht impfen lassen können. «Wichtig ist, dass all diejenigen, für die das empfohlen ist, sich impfen lassen sollten. Die Impfverweigerer dürfen nicht entscheiden, ob und wie viele Kinder sich anstecken. Je mehr Erwachsene sich impfen lassen, desto größer der Schutz für die Kinder.»
Der Minister wandte sich im «Spiegel» zudem auch gegen eine Impfpflicht für Pflegekräfte. «Wenn Pflegekräfte mir erzählen, dass sie sich nicht impfen lassen wollen, sage ich: Dann sind Sie eigentlich im falschen Beruf. Denn die Impfung schützt vor allem auch die schwachen und kranken Menschen, die ihnen anvertraut sind.» Er mache da eine klare Ansage. «Aber ich will die Menschen nicht ganz verlieren.»
(dpa)