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Ärztepräsident kritisiert Auffrischimpfungen ohne Stiko-Empfehlung

04:26
02.09.2021
Ärztepräsident Klaus Reinhardt hat kritisiert, dass viele Bundesländer auch ohne Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) mit Corona-Auffrischungsimpfungen begonnen haben. Sie werden zunächst Senioren und Immungeschwächten angeboten. Zwar spreche theoretisch einiges dafür, sagte Reinhardt dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (Donnerstag). «Nach bisherigem Kenntnisstand und Auffassung namhafter Experten ist sie aber für die meisten Geimpften nicht sofort nötig.» Insgesamt fehlten noch aussagekräftige Studien, ob, wann und für wen eine sogenannte Boosterimpfung nötig sei.

«Da ist also von der Politik eine Erwartungshaltung bei den Patienten geschürt worden, die viele Ärztinnen und Ärzte ohne eine wissenschaftlich fundierte Impfempfehlung nicht bedienen wollen», sagte Reinhardt. Er nannte das Vorgehen einen Fehler von Bund und Ländern.

Mehrere Bundesländer haben damit begonnen, Pflegebedürftigen, über 80-Jährigen und Menschen mit Immunschwäche die dritte Impfung anzubieten, wenn die letzte mindestens sechs Monate zurückliegt. Die Stiko plant eine Empfehlung zeitnah, wie ihr Chef Thomas Mertens am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur gesagt hatte. Die Aufarbeitung der vorliegenden Daten sei in vollem Gange. Auf ein genaues Datum könne er sich aber noch nicht festlegen.

Der Grünen-Gesundheitsexperte Janosch Dahmen warf der Bundesregierung eine unklare und verspätete Strategie für die Auffrischungsimpfungen gegen Covid-19 vor. «Zwar wurde ein Anspruch auf Auffrischungsimpfungen in der neuen Impfverordnung verankert, aber die konkrete Impfstrategie ist völlig unklar und selbst angesichts der vierten Welle im Sommer nicht vorbereitet worden», sagte er der Düsseldorfer «Rheinischen Post» (Donnerstag). «Die Bundesregierung hat es verpasst, frühzeitig systematisch Daten für Deutschland zu erheben, für wen und wann sogenannte Booster-Impfungen zwingend sinnvoll sind.»

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sagte der Zeitung: «Ich befürchte, dass jetzt viele mit einer dritten Impfung versehen werden, die davon nicht profitieren, während diejenigen, die sie dringend benötigen würden, sie nicht bekommen.»

(dpa)

Kassenärzte-Chef erwartet Ende der Corona-Pandemie im Frühjahr

04:26
02.09.2021
Kassenärzte-Chef Andreas Gassen rechnet mit einem Ende der Corona-Pandemie in einem halben bis Dreivierteljahr. «Ich gehe davon aus, dass im Frühjahr 2022 Schluss sein wird mit Corona», sagte der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) der Düsseldorfer «Rheinischen Post» (Donnerstag). «Bis dahin wird die Impfquote noch einmal etwas höher liegen, vor allem nimmt aber auch die Zahl der Genesenen mit Antikörpern zu. Einschränkungen werden dann wohl gänzlich unnötig werden.»

Der Generalsekretär der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) rechnet ab 2022 mit Impfstoffen auch für Säuglinge. «Wir gehen fest davon aus, dass es ab kommendem Jahr Impfstoffe für alle Altersklassen geben wird, sogar zugelassen bis hin zu Neugeborenen», sagte der Kinderarzt Florian Hoffmann den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Donnerstag). Aktuell liefen verschiedene Studien von Biontech und Moderna, zum Teil sogar mit Säuglingen. Einen Impfstoff für Kinder unter zwölf Jahren erwarte er bereits Ende dieses Jahres, so Hoffmann. Diese Gruppe werde voraussichtlich eine reduzierte Impfstoffdosis bekommen.

Die Ständige Impfkommission (Stiko) hat sich Mitte August für allgemeine Corona-Impfungen für alle Kinder ab zwölf Jahren ausgesprochen. Zugelassen sind dafür die Impfstoffe von Biontech und Moderna.

Gassen sagte aber auch, im Herbst würden die Infektionszahlen noch einmal steigen. Die Zahl schwerer Erkrankungen werde aber deutlich unter der des letzten Winters bleiben.

(dpa)

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