Der evangelische badische Landesbischof Jochen Cornelius-Bundschuh kritisiert, dass im Bundestagswahlkampf wichtige Zukunftsfragen nicht oder nur oberflächlich diskutiert werden. "Alle reden vom Klimaschutz, aber zuwenig darüber, wie die Umbaukosten auf dem Weg in eine klimafreundliche Zukunft sozialgerecht verteilt werden", sagte Cornelius-Bundschuh am Montag der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). "Ich befürchte, dass die Klimafolgenkosten unsere Gesellschaft weiter spalten werden."
Kritisch sieht er etwa die Förderbedingungen für Elektro-Fahrzeuge. "Ich nehme hier vor allem sehr teure, große E-Autos wahr. Was ist aber mit den Bürgerinnen und Bürgern, die seit zehn Jahren ein altes Auto fahren und sich kein neues leisten können?" Es fehle auch ein grundsätzliches Nachdenken über Alternativen zum Individualverkehr und über eine Stärkung des öffentlichen Nahverkehrs.
Cornelius-Bundschuh forderte zugleich ein stärkere Rückbindung politischer Entscheidungen ans Gemeinwohl. "Die Politik muss mehr das Ziel Gemeinwohl verfolgen. Bisher steht der private Reichtum zu sehr im Vordergrund. Da fallen viel zu viele Menschen hinten runter."
Als Zukunftsfrage bezeichnete der Landesbischof die Themen soziale Gerechtigkeit, Bildungsgerechtigkeit und international gerechtes Wirtschaften. "Vermeintlich eindeutige Wahrheiten und im Wahlkampf immer wieder zu hörende forsche Polarisierungen helfen da nicht weiter." Politik sei gefordert, viel stärker auf Kompromisse und Dialog zu setzen und auch schon im Umgang im Wahlkampf miteinander klar zu machen dass es keine einfach-eindeutigen Antworten gibt.