Letztes Update:
20210713120402

Strengere Corona-Regeln in Frankreich: Impfanmeldungen nehmen zu

11:27
13.07.2021
In Frankreich sind die Impfanmeldungen in die Höhe geschossen. Hintergrund ist die Ankündigung von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, strengere Corona-Regeln einzuführen. Wie der Plattformbetreiber Doctolib am Dienstag mitteilte, meldeten sich am Montag 926 000 Menschen in Frankreich für eine erste Impfung an. Die täglichen Anmeldungen erreichten demzufolge einen Rekordwert.

Macron hatte am Montag angekündigt, dass ein Test-, Impf- oder Genesungsnachweis künftig deutlich häufiger notwendig werde. Der Staatschef will damit mehr Menschen zur Impfung bewegen.

Der Staatschef kündigte außerdem eine Impfpflicht für Gesundheitspersonal mit drohendem Arbeitsverbot bei einem Verstoß an. Auch für die Gesamtbevölkerung stelle sich die Frage einer verpflichtenden Impfung.

Für Touristinnen und Touristen ohne vollständige Impfung könnten die strengeren Regeln ins Geld gehen. Schon ab 21. Juli ist der Eintritt zu Kulturstätten nicht mehr ohne Nachweis möglich, ab August wird auch der Zugang zu Fernzügen, Reisebussen, Restaurants und Cafés ohne den sogenannten Gesundheitspass verwehrt. Zwar reicht für den Eintritt ein negativer PCR- oder Antigentest, der auch in Papierform vorgezeigt werden kann. Allerdings darf dieser nicht älter als 48 Stunden sein. Wer sich also ohne vollständige Impfung länger als zwei Tage in Frankreich aufhält, wird künftig wohl in die Tasche greifen müssen, weil PCR- und Antigentests für ausländische Touristen in Frankreich nicht mehr kostenlos sind.

Macron kündigte die härteren Corona-Regeln an, nachdem es einen Anstieg der Neuansteckungen mit dem Coronavirus seit Ende Juni gegeben hatte. In mehreren Départements überstieg der Inzidenzwert die 50er-Marke. Macron sagte, eine Impfung aller sei vorerst der einzige Weg zurück zu einem normalen Leben. Aktuell sind etwa 53 Prozent der französischen Bevölkerung mindestens einmal gegen das Coronavirus geimpft. 

Gerresheimer will mehr Impfstoff-Fläschchen produzieren

10:59
13.07.2021
Bei der Auslieferung von Fläschchen für Corona-Impfstoffe schraubt der Verpackungshersteller Gerresheimer seine Ziele nach oben. Bis Ende 2022 werden es vermutlich etwa 1,2 Milliarden sein und damit 20 Prozent mehr als zuletzt angenommen, sagte Firmenchef Dietmar Siemssen am Dienstag in Düsseldorf. Mit Schott aus Mainz und Stevanato aus Italien gehört Gerresheimer zu den drei größten Herstellern solcher Fläschchen. «Wir haben etwas über 300 Millionen [Fläschchen] dieses Jahr schon ausgeliefert und liefern weiter aus», sagte Siemssen. Pharmafirmen hätten schon erste Aufträge für das Jahr 2023 erteilt.

Vor der Coronakrise hatte Gerresheimer Produktionskapazitäten von drei Milliarden Fläschchen pro Jahr, bis Ende dieses Jahres soll die maximale Fertigung per annum auf vier Milliarden hochgeschraubt sein. Die kleinen Vials werden nicht nur für Coronavakzine, sondern auch für Krebsmedikamente und andere Präparate genutzt.

Die Firma bekommt früheren Angaben zufolge zwar nur vier bis fünf Cent pro Corona-Gläschen, es ist also nur ein kleiner Geschäftsbereich für den Konzern, der auch Verpackungen aus Glas oder Kunststoff für Hustensäfte, Augentropfen, Nasensprays und Asthmainhalatoren herstellt. Als Türöffner für andere Geschäfte mit den Pharmaherstellern ist dieser Geschäftszweig aber wichtig.

Perspektivisch rechnet Siemssen damit, dass Coronavakzine nicht mehr in den kleinen Gläschen geliefert werden, aus denen medizinisches Personal den Inhalt mit Spritzen herausholen und verabreichen muss - ein Fläschchen enthält mehrere Dosen. Vielmehr dürfte es eine Umstellung auf vorfüllbare Spritzen geben - die können direkt verabreicht werden, ohne dass der Inhalt umgefüllt werden muss. «Wenn es wirklich zu einer regelmäßigen Impfung kommt vergleichbar mit der Grippeimpfung heute, ist davon auszugehen, dass das dann auch zunehmend in Glasspritzen kommt», sagte der Manager. Das wäre eine gute Nachricht für Gerresheimer, weil dieses Geschäft lukrativer sein dürfte.

Die vorfüllbaren Glasspritzen stellt Gerresheimer für den europäischen Markt derzeit in Bünde in Ostwestfalen her, wo die Firma 750 Beschäftigte hat. Künftig soll ein zusätzliches Werk in Nordmazedonien aufgebaut werden. Die derzeit für Coronaimpfungen genutzten Glasfläschchen wiederum werden für den europäischen Markt in Frankreich und Polen gefertigt.

Die Firma mit weltweit gut 10 000 Beschäftigten legte am Dienstag Geschäftszahlen vor. Im zweiten Quartal stieg der Umsatz gemessen am Vorjahreszeitraum um 3,9 Prozent auf 377 Millionen Euro. Der Gewinn sank leicht um zwei Prozent auf 28,9 Millionen Euro. Negative Wechselkurseffekte und hohe Energiekosten hatten das Geschäft etwas belastet. Die Chefetage bleibt aber zuversichtlich.