Experte Hans-Georg Predel sieht Impfungen kurz vor der Fußball-Europameisterschaft als nicht zielführend an. «Es kann zu Impfreaktionen kommen, die die Leistung einschränken», sagte der Universitätsprofessor der Deutschen Sporthochschule Köln der Deutschen Presse-Agentur.
«Eine Impfung auf den letzten Drücker halte ich nicht für sinnvoll, weil das Nutzenverhältnis wirklich nicht günstig ist», sagte er mit Blick auf mögliche Impfungen mit Vakzinen, die zweimal verabreicht werden müssen. Dabei komme hinzu, dass die zweite Dosis während des laufenden paneuropäischen Turniers gespritzt werden müsste. In solchen Fällen gebe es die positiven Effekte erst nach der EM.
Nach zwei positiven Befunden im Kader sollen an diesem Freitag die Spieler der spanischen Nationalmannschaft geimpft werden, die dafür infrage kommen. Nach Angaben des Verbandes soll es den Profis freigestellt sein, welchen Impfstoff sie nehmen.
Spanische Medien berichteten, dass diejenigen, die noch gar kein Vakzin bekommen haben und auch keine Corona-Infektionen hatten, mit dem Einmal-Vakzin von Johnson & Johnson geimpft werden sollen. Andere, die bereits in ihren Vereinen eine Dosis Pfizer/Biontech bekommen oder vor einem gewissen Zeitraum eine Infektion überstanden haben, sollen mit Pfizer/Biontech gespritzt werden.
Inwiefern die Impfungen möglicherweise die Vorbereitung der Spanier beeinträchtigen, die am kommenden Montag in Sevilla ihr Gruppenauftaktspiel gegen Schweden bestreiten, wird sich zeigen. «Entscheidend sollte sein, dass die Sportler selbst auf jede Leistungsminderung achten und im Zweifelsfall den Sportarzt befragen, der ja unter Umständen auch ein EKG und Laborbestimmungen machen kann», sagte der Vorsitzende der Ständigen Impfkommission, Prof. Dr. Thomas Mertens, der Deutschen Presse-Agentur. «Grundsätzlich ist eine besondere Schonung nicht vorgeschrieben.»