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Hoteliers und Gastronomen zwischen Hoffen und Bangen vor Pfingsten

12:53
06.05.2021
Im Hotel Engel klingelt auch im Corona-Lockdown regelmäßig das Telefon. Inhaber und Küchenchef Alfred «Freddy» Boch und seine Mitarbeiter gehen dann zwar an den Apparat des Hauses in Todtnauberg im Schwarzwald. Gute Nachrichten hat das Team des Familienhotels allerdings seit vielen Monaten nicht. Denn das Haus ist dicht, genauso wie alle anderen Gaststätten und Pensionen, die sich auf Touristen spezialisiert haben.

«Unsere Gäste würden schon gerne kommen, und wir würden das Haus auch zu Pfingsten noch kurzfristig vollkriegen», sagt Boch. Aber dazu müsste der 51-Jährige wissen, ab wann er wieder Buchungen für seine 150 Betten annehmen kann und ob er alle Bereiche des Hauses öffnen darf. «Müssen wir auf den Wellnessbereich und die Kinderbetreuung verzichten, brauchen wir gar nicht erst die Betten machen», sagt er. «Was wir brauchen, sind Fakten, Fakten, Fakten.»

Nach Monaten im Lockdown, ohne Gäste und mit millionenschweren Verlusten können sich Gastronomen und Hoteliers wie Boch nun zwar Hoffnungen auf Gäste und Besucher in den kommenden Wochen machen. Denn die Landesregierung will rechtzeitig vor Pfingsten veröffentlichen, wie es weitergehen soll. Das Konzept für ein dreistufiges Verfahren werde «im Laufe der kommenden Woche» in eine Verordnung gegossen, sagte Gesundheitsminister Manne Lucha (Grüne). Es werde «auf jeden Fall rechtzeitig vor den Pfingstferien» klar sein, welche Bereiche wann und zu welchen Bedingungen öffnen könnten.

Allerdings wächst auch der Druck. Denn ein Vorlauf ist nötig, um die Regelungen vorzubereiten. Es müssen unter anderem Mitarbeiter aus der Kurzarbeit geholt, Waren bestellt und Zimmer gereinigt werden. Und Pfingstsonntag ist der 23. Mai.

Bekannt ist bereits, dass das Land den Betrieb von Biergärten und Außengastronomie sowie Hotels in weniger pandemiebelasteten Stadt- und Landkreisen erlauben will. Bedingung ist aber, dass die Sieben-Tage-Inzidenz in diesen Regionen an fünf aufeinanderfolgenden Tagen stabil unter 100 Fällen pro 100 000 Einwohner liegt. Beschlossene Sache ist das aber noch nicht.

Die Hotels und Gastwirte fordern mehr Tempo: Die Betriebe stünden vor großen Herausforderungen, warnte der Chef des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) in Baden-Württemberg, Fritz Engelhardt. «Es ist deshalb extrem wichtig, dass die Landesregierung uns jetzt einen konkreten Termin nennt, ab wann die Lockerungen greifen.» Auch die Teststrategie müsse noch im Detail geklärt werden.

Der Dehoga fordert zudem, Betriebe komplett zu öffnen, um Probleme zu vermeiden, die in der Praxis auftauchen könnten. «Die Hygienekonzepte der Gastronomie funktionieren außen und innen», sagte Engelhardt. «Wenn ohnehin nur Geimpfte, Genesene und negativ Getestete Zutritt bekommen, sind aus unserer Sicht beherztere Öffnungsschritte verantwortbar.»

Zur Eile mahnen auch Vertreter der beliebten Ferienregionen im Südwesten. «Existenzen von Unternehmen und deren Beschäftigten stehen auf dem Spiel, wenn sich der Re-Start in einigen Destinationen weiter verzögert», sagte Markus, Sprecher der Internationalen Bodensee Tourismus GmbH. Freies Reisen sei für den internationalen Bodensee-Tourismus essenziell.

Besitzer von Hotels und Ferienwohnungen im Schwarzwald fürchten bereits, beim Wiederanlaufen des Inlandstourismus schlechter abzuschneiden als andere beliebte Ziele in Deutschland. Die Landesregierung habe für die Reisebranche noch keine klaren Perspektiven aufgezeigt, sagte der Sprecher der Schwarzwald Tourismus GmbH, Wolfgang Weiler, der Deutschen Presse-Agentur. «Es ist leider ein sehr chaotisches Bild.» Es gebe zwar einen «Riesenandrang» von Reisewilligen in der Region. «Aber wir können derzeit keine Zusage machen, dass Ferienwohnungen, Hotels und Campingplätze bereits zu Pfingsten geöffnet sind.»

Konkreter geworden ist bereits etwa Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU). Er kündigte an, Urlaub im Freistaat in den Pfingstferien in Regionen mit niedrigen Corona-Infektionszahlen wieder zu erlauben. Auch Schleswig-Holstein geht weitere Öffnungsschritte im Tourismus. Im Norden dürfen Geimpfte, Genesene und Getestete vom 17. Mai an unter strengen Vorgaben landesweit Gaststätten auch in Innenräumen besuchen und in Beherbergungsbetrieben übernachten. Touristen müssen sich alle drei Tage auf Corona testen lassen.

Dass es nun einen Flickenteppich in den verschiedenen Bundesländern gebe, sei zu bedauern, sagte Schwarzwald-Tourismussprecher Weiler. «Da fürchte ich tatsächlich, dass der Schwarzwald etwa im Vergleich zu Bayern ins Hintertreffen gerät.»

Optimistischer gibt man sich im Hochschwarzwald, der am Mittwoch die niedrigste Inzidenz in Baden-Württemberg aufwies. «Seit gestern werden unsere Touristinformationen mit Anfragen geflutet», sagte der Sprecher der Hochschwarzwald Tourismus GmbH, Herbert Kreuz. Auch Buchungen würden mehr und mehr verzeichnet. «Für Pfingsten sind wir zuversichtlich, dass es Buchungsmöglichkeiten geben wird.» Für den Sommer rechne man mit einer starken Auslastung. «Wir mussten jetzt lange warten, vielleicht ist jetzt die Zeit auch für den Tourismus wieder reif.»

(dpa/lsw)

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