Letztes Update:
20210421073604

Klinikarzt: Coronarisiko nicht unterschätzen

05:23
21.04.2021
Der Infektiologe Clemens Wendtner hat die Entscheidung der EU-Arzneimittelbehörde (EMA) begrüßt, dem Corona-Impfstoff des US-Herstellers Johnson & Johnson erneut grünes Licht zu geben. «Das ist erstmal eine vernünftige Abwägung», sagte der Chefarzt der München Klinik Schwabing. Die EMA-Experten hatten das Präparat wegen einiger Fälle spezieller Blutgerinnseln nach einer Impfung in den USA nochmals geprüft.

«Es gibt kein Nullrisiko», sagte Wendtner. «Und manche Menschen vergessen, wie tödlich Covid-19 ist.» Er verwies darauf, dass während der Epidemie bislang etwa einer von 1000 Menschen in Deutschland im Zusammenhang Corona gestorben sei. «Wir sehen, dass die meisten direkt an Covid-19 gestorben sind», betonte er mit Blick auf Erfahrungen in seiner Klinik.

Risiken für sogenannte Hirnvenenthrombosen gebe es bei allen aktuellen Corona-Impfstoffen, sagte Wendtner unter anderem mit Verweis auf eine Studie der Universität Oxford. Diesen Forschern zufolge haben Menschen mit einer Corona-Diagnose ein mehrfach höheres Risiko für diese Thrombose als solche, die gegen Covid-19 geimpft wurden. Auch wenn die Studie zeige, dass das Risiko bei nachweislich infizierten Menschen deutlich höher sei als bei Geimpften, sei es noch nötig, die exakten Daten in weiteren Versuchen zu replizieren und zu bestätigen, schreiben die Autoren. Die Studie ist noch nicht in einem Fachjournal veröffentlicht.

Nach Daten der US-Arzneimittelbehörde FDA liege das Risiko bei dem Johnson & Johnson-Impfstoff für spezielle Thrombosen bei rund 1 zu einer Millionen, sagte Wendtner. Sie registrierte Blutgerinnsel mit anschließendem Blutplättchenmangel, wozu Hirnvenenthrombosen aber auch spezielle Thrombosen im Bauchraum zählen.

Die EMA will Fälle solcher Blutgerinnsel mit Blutplättchenrückgang nun als seltene Nebenwirkung des Johnson & Johnson-Produktes registrieren. In den meisten Fällen ging es auch bei den von ihr betrachteten Daten um Frauen unter 60 Jahren.

(dpa)

Rätseln um Freiburgs niedrige Corona-Zahlen

05:13
21.04.2021
Freiburg und seine Umgebung schneiden derzeit bei den Corona-Zahlen in Baden-Württemberg am besten ab - trotz der Nähe zum Hochinzidenzgebiet Frankreich. Über die Gründe dafür könne man nur mutmaßen, teilte die Stadt Freiburg auf dpa-Anfrage hin mit. Möglicherweise liege es an der Wirtschaftsstruktur. «Freiburg hat wenig produzierendes Gewerbe, so dass die Menschen eher in Branchen arbeiten, in denen Homeoffice besser möglich ist», hieß es. Auch die hohe Akademisierung in Freiburg als Uni- und Forschungsstadt könne eine Rolle spielen. Die Verwaltung kommuniziere außerdem intensiv über die Maßnahmen, etwa mit Hilfe der sozialen Medien und digitaler Corona-Sprechstunden. Weniger getestet als anderswo werde nicht, hieß es.

Zuletzt lag die Sieben-Tage-Inzidenz in Freiburg laut Landesgesundheitsamt bei 74,4. Im Kreis Breisgau-Hochschwarzwald, der Freiburg nahezu umschließt, lag der Wert noch niedriger: bei 69,8. Der Schnitt fürs gesamte Land beträgt dagegen 172,5. Der Virologe Hartmut Hengel von der Uniklinik Freiburg hatte zuletzt der «Badischen Zeitung» gesagt, eine abschließende wissenschaftliche Erklärung für die niedrigen Zahlen in der Region gebe es nicht - und ein größerer Ausbruch könne die Lage schnell verändern.

(dpa)

Alle externen Inhalte nachladen?
Datenschutzerklärung
nachladen